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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
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die weitere Vergeudung deutschen Eigenthums durch dieVerluste bei Silberverkäufen vermieden wurde, sonderndaß auch die Währungsfrage für uns eine offene bliebund der Uebergang zum Bimetallismus damit erleichtertist. Diesen Uebergnng selbst aber glaubte Fürst Bismarck nur in Gemeinschaft mit England vollziehen zu können.Eben deshalb mußte er den Engländern jede Hoffnungauf eine deutsche Aktion nehmen. Das war 1881 richtig,aber uicht mehr 1895, wo inzwischen England für denBimetallismus reif geworden ist. Heute würde Fürst Bis-marck vielleicht den Augenblick gekommen erachten, denentscheidenden Anstoß auf England auszuführen. Wasbeweist es also, wenn Herr Dr. Koch heut uns das Ver-halten Deutschlands von 1881 vorführt? Seitdem istnahezu alles in der Währnngsfrage verändert, folglich mußauch die deutsche Politik sich ändern was aber 1892betrifft, so ist Herrn Dr. Koch zuzugeben, daß, wenn GrafCaprivi noch am Ruder wäre, kaum Aussicht sein würde,daß Deutschland sich anders zur Währungsfrage stellte, alsin Brüssel, aber ebendeshalb ist Graf Caprivi nicht mehrReichskanzler und von seinem Nachfolger kann eine größereBerücksichtigung der wirthschaftlichen Interessen erhofftwerden.

Ganz außerordentlich merkwürdig sind die folgendenAuslassungen des Herrn Reichsbankpräsidenten.

-Es sind ja auch noch mancherlei andere Mittel vonden verschiedensten Seiten empfohlen, um dem Silberpreisaufzuhelfen, und es sind in dieser Richtung Vorschlägemancherlei Art gemacht worden, auch in Brüssel sehrzahlreich. Auch in der deutschen Silberkommission, dieauf Anregung verschiedener Herren im vorigen Jahre ge-tagt hat, wurden solche Mittel erwogen; allerdings hatkeines dieser Mittel einen über den des Antragsstellershinausgehenden Beifall erlangt, und ist mir zweifelhaft,ob, wenn sich die Diskussion in einer neuen Münzkonferenzdarauf richten sollte, ein oder das andere Mittel allgemeinangenommen werden würde."

Zunächst stelle ich fest, daß Herr vr. Koch hier inden grellsten Widerspruch mit der Einleitung seiner Rede