Druckschrift 
Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

tritt. Er beweist hier, daß es kein Mittel zur Hebungund Festlegung des Silberpreises giebt Eingangs aberhatte er die Erklärung des Fürsten Hohenlohe und denBeschluß des Reichstags so ausgelegt, als ob dieinter-nationale Regelung der Währuugsfrage" im Gegensatzzum Bimetallismus stände, also gerade andere Mittel undWege einschlagen solle und nun zeigt uns Herr Dr. Koch,daß es solche nicht giebt. Danach muß man doch offenerklären, die Uebelstände der Silberentwerthung und diesonstigen schlimmen Folgen der Goldwährung müssen er-tragen werden, oder die Verhaudluugen müssenmit demEndziel des internationalen Bimetallismusgeführtwerden. Daß nur diese Alternative besteht, darin stimmeich Herrn Dr. Koch zu, das hat aber gerade er bestritteu,indem er gerade die entscheidenden Worte aus dem Antragdes Grafen Mirbach streichen wollte. Welche Verhand-lungen kann Deutschland danu noch führen und wie kannFürst Hohenlohe sein Versprechen einlösen, es sei denn,daß man das Endziel des Bimetallismus ins Auge faßt.In jedem anderen Fall, das hat neulich dieNational-zeitung" sehr richtig bemerkt, würde die Sache mit einerBlamage" für Deutschland enden. Ist Herr Dr. Kochandrer Meinung? Dann muß er, und das entsprichtgewiß seiner Auffassung, alle Verhandlungen abweisenaber diese sind einmal zugesagt uud deshalb giebt es fürdie Regierung keine andere Alternative mehr als: Blamageoder Bimetallismus! Muthet Herr Or. Koch dem Reichs-kanzler zu, sich freiwillig für die Blamage zu entscheiden,die überdies nach der Haltung der drei Parlamente dieRegierung den schärfsten politischen Kämpfen aussetzen würde?

Eigenartig ist das Urtheil des Herrn Reichsbankpräsi-denten über die deutsche Silberkommission, dieans An-regung verschiedener Herren" getagt hätte. Welcher Herren?Man war bisher der Meinung, daß der Reichskanzler,veranlaßt durch jenen Staatsministerialbcschluß, dessen In-halt der Landwirthschaftsminister von Heyden unter leb-hafter Opposition des Herrn Reichsbankpräsidenten Dr. Kochim Herrenhause im Januar 1894 verlas, die Silberkom-mission veranlaßte, es war also die Regierung und nicht