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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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durchschnittlich besaß 1894 dagegen etwa 020 Mill.Mark Gold und 314 Mill. Mark Silber . Von den2063 Mill. Mark, welche die Neichsbank erwarb, ist ihralso nur ein kleiner Theil seit 1876, 340 Mill. Mark, ver-blieben, nnd dieser Vermehrung des Goldbesikcs steht eineZu-nahme des Notenumlaufs von 684 Mill. auf 1000 Mill. immer im Jahresdurchschnitt und der täglich fälligenVerbindlichkeiten von 70,5 Mill. auf 262,5 Mill., zu-sammen also über 500 Mill. zu deckende Forderungengegenüber. Der Stand der Neichsbank hat sich also nichtso glänzend gebessert, als die Angaben des Herrn Reichs-bankpräsidenten andeuten, ganz abgesehen davon, daß derSilberbestand zunahm und an Stelle einer geringen Ent-werthung des Silbers der Silberpreis betrug 187652,75 Pence eine so hochgradige Entwerthung bis aufzeitweise 27 Pence und jetzt 30 Pence getreten ist.

Die günstigen Wechselkurse, welche Gold nach Deutsch-land brachten, führt Herr Dr. Koch auf ganz eigenthüm-liche Weise mit der Goldwährung zusammen, er sagt:

Mit Hilfe der Goldwährung konnte die deutscheHandelswelt im Auslande überall Verbindungen anknüpfen.Das fremde Kapital war geneigt, sich in Deutschland an-zulegen. Es gründeten sich Handelsniederlassnngcn imAuslande. Das Vertrauen zu unserer Währung wuchs,Jedermann draußen wußte, wenn er in Deutschland eineFordcruug hatte, daß sie xs-ri steht und mit Gold bezahltwerden muß."

Ich habe mir diese Worte lange überlegt, sie klingenbeinahe, als ob hätte gesagt werden sollen, daß die Gold-währung uuseren Export begünstigte. Denn der Exportschafft Forderungen an das Ausland nnd verbessert da-durch die Wechselkurse. Die in der Goldwährungspressehäufig geäußerte Absurdität, daß die Goldwährung nnsernExport, den sie so empfindlich schädigt, begünstige, hatHerr Dr. Koch offenbar nicht ausgesprochen, obwohl beiflüchtigem Hinsehu sciue Worte fast den Eindruck machen,als ob sie so auszulegen wären. Mit Hülfe der Gold-währung konnte unsre Handelswelt überall im AuslandeVerbindungen anknüpfen. That sie das mit der Silber-