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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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Diskonts gehalten als England und Frankreich . UnsereIndustrie hat sehr oft mit schweren Opfern die Kostenbezahlt, mit denen jene 2063 Mill. Mark Gold von derReichsbank seit 1870 herangezogen und behauptet wurden.Höherer Zinssatz zieht Geld ins Land. England hat ingroßen Beträgen deutsche Werthpapiere erworben und unsdafür zum Theil mit Gold, zum Theil mit recht zweifel-haften Werthen, namentlich unsicheren Minen-Aktien, ge-zahlt wenn England einmal Gold braucht, hat es jetzteine Handhabe, die ihm früher fehlte, es ist ein Gläubiger-Land gegenüber Deutschland geworden, während früherDeutschland namentlich durch amerikanische, in London marktgängige Werthpapiere jederzeit Gold aus London heranziehen konnte. Dieser Wechsel der Beziehungen wirdjetzt wenig beachtet, kann aber einst sehr fühlbar füruns werden nnd bezeichnet jedenfalls die Kehrseite derMedaille.

Ganz eigenthümlich haben mich die folgenden Wortedes Herrn Reichsbankpräsidenten berührt.

Unter diesen Verhältnissen stieg die Golddeckung derBanknoten von 41,ss Prozent im Jahre 1876 auf durch-schnittlich 61,ss im Jahre 1894, während wir gesetzlich nurZ3^z Prozent Baarvorrath zu halten brauchen."

Was Herr Dr. Koch hier sagt, ist buchstäblich richtig,aber auch uur buchstäblich, denn Herr Dr. Koch übersiehteinen Umstand, den er nicht übersehen durfte die ge-waltige Ausdehnung der täglich fälligen Verbindlichkeiten,des Giro- und Depositen-Verkehrs. Im Jahre 1876 be-trugen die Giroguthaben durchschnittlich 70,5 Mill. Mark,im Jahre 1894 dagegen 262,5 Mill. Mark. Die Deckungdieser täglich fälligen Verbindlichkeiten ist gegenwärtigmindestens so wichtig, als die Notendeckung, sie mußgleichfalls durch das Gold geschehen.

Beiläufig gestatten die hier von dem Herrn Reichs-bankdirektor gegebenen Ziffern über die Golddeckung derNoten von 1876 und 1894 interessante Schlüsse auf dieZusammensetzung des Baarvorraths der Reichsbank. Mankann danach berechnen, daß die Reichsbank 1876ca. 280 Mill. Mark Gold und 230 Mill. Mark Silber