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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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vom Silber. Er meinte, der große Preissturz des Silberssei eine Folge der Demonetisation. Es ist aber schon vonProfessor Lexis in der Silberkommission nachgewiesen, daßder Einfluß der Währungsünderung durch eine gewaltigeVermehrung der Silberprägungen in anderen Ländern mehrals ausgeglichen sei. Unser Verkauf von Silber betrug nuretwa 600 Millionen Mark, noch nicht die Hälfte derProduktion eines Jahres. Von dem größten Einfluß,dem eigentlich entscheidenden, sind aber die Produktions-verhältnisse. Bemerkenswerth ist zunächst der neuerdingseingetretene Aufschwung der Goldproduktion. Ich habehier eine Tabelle zur Hand. Da zeigt sich, daß die Gold-produktion von 1871 bis 1880 sich weder wesentlich ver-mehrte noch verminderte. Nachher siel sie bedeutend. ImJahre 1883, wie schon erwähnt, auf 144 000 Kilogramm,1884 stieg sie wieder auf 153 000 Kilogramm, 1884 auf159 000 Kilogramm, ähnlich 1885 bis 1887. In diesenverhältnißmäßig kleinen Zahlen bewegte sie sich. Dannbegann ein starkes Steigen auf 165, 185, 196, 220, 234Tausend Kilogramm. Im Jahre 1894 ist sie abermalsin die Höhe gegangen bis auf etwa 250 000 Kilogramm,eine bisher noch nicht erreichte Ziffer, wie sie nicht einmalzur Zeit der kalifornischen Goldfunde vorgekommen ist.Demgegenüber ist nun aber auch die Silberproduktion zugewaltigen Mengen gewachsen. Sie betrug von 1871 bis1875 1 969 000 Kilogramm. Dann bewegte sie sich weiterund schwoll im Jahre 1885 auf 2 993 000 Kilogrammsie ging dann weiter 1890 auf 4144 233 Kilogramm,1891 auf 4 257 380 Kilogramm, 1892 auf 4 757 000Kilogramm, 1893 auf 5 Millionen u. f. w. Währenddie Silberproduktion in den Jahren 1871 bis 1875 nur11 Prozent der Gesammtproduktion an Edelmetallen dar-stellte, ist das Verhältniß bereits 1889 "auf 21 Prozentgestiegen, 1890 auf 22,s u. f. f. Erklären denn dieseProduktionsziffern nicht vollkommen ausreichend den starkenPreisfall des Silbers? Das ist wenigstens die Meinungsehr vieler Nationalökonomen, die sich mit der Sache be-schäftigt haben. Da braucht man gar nicht die Demone-tisation herbeizuziehen, die nicht so bedeutend ist, wie man