Druckschrift 
Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

52

Vorzüge lediglich auf Vorurtheil oder Irrthum. Wer willsich aber dauernd schädigen lassen, weil es einem kleinenKreis leidenschaftlicher Parteigänger der Goldwährungleider gelungen ist, einen Theil der öffentlichenMeinung einschließlich des Herrn Reichsbankpräsidenten durcheine systematische Irreführung über das Wesen derWährungsfrage zn täuschen.

Herr Dr. Koch beruft sich auf zwei Autoritäten, denHolländer Pierson und den Amerikaner Atkinson. Beidebeweisen, daß der Preisrückgang nichts mit der Währungzu thun habe. Ich habe beide Aufsätze nicht gelesen,kann also nur nach dem urtheilen, was Herr Dr. Kochmittheilt und was wenig Ueberzeugendes hat. Pierson, dernicht nur Bimetallist war, sondern es auch heut ist, stehtauf dem Standpunkt, daß es bei jedem Artikel einerSpezialUntersuchung bedarf, ganz gewiß, aber eineThatsache steht doch unbedingt fest, schlägt alle Theorien undbeweist unwiderleglich, daß der Preisrückgang auf derGoldwährung beruht. Es ist das die Thatsache, daß diePreise in den Silberlündern nicht gesunken sind. Weizenerreicht in Europa unerhört niedrige Preise, in Indienbleibt der Weizenpreis auf der Höhe von 1873, Seide sinkt1894 in Deutschland 10 Proz. unter den niedrigsten Preisdes Jahrhunderts, in Japan stiegen die Seidenpreise unddie Seidenindustrie entwickelte sich glänzend. Hollündisch-Jndien mit Goldvaluta hat denselben Nothstand niedrigerPreise wie Europa , Britisch-Jndien mit Silbervaluta hatstabile Preise und wirthschaftlichen Aufschwung. Die Silber-länder Mexiko oder Japan wissen nichts von niedrigenPreisen, obwohl die Faktoren, welche Pierson und Atkinsonfür die Preisrückgänge verantwortlich machen, dort ebensoeinwirken müßten, wie bei uns. Die Preisgestaltung inden Silberlüudern schlägt demnach alle gelehrten Tüfteleienund beweist, daß die Goldwährung die Hauptursache derniedrigen Preise sein muß, im Einzelnen mögen sich dieDinge wie immer gestalten.

Die Goldwährungspartei bezichtigt die Bimetallisten,daß sie durch den Hinweis auf das wirthschaftliche Ge-deihen der Silberländer sich für eine entwerthete und