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„derzeit überhaupt nicht bedeutend" und in Stapelartikelnfast Null ist. Ich mache die Beschränkung „Stapelartikel",weil Mode- und Luxusartikel von dem Einfluß des Silber-preises nicht io getroffen werden,wie Massenartikel, nament-lich „das Kleid des armen Mannes."
Herr Dr. Koch schließt seine Betrachtungen bezüglichder Industrie, wie folgti
„Also unsere Industrie — das dürfen wir als sicheransehen — wünscht im Großen und Ganzen durchausnicht, daß man das Münzsystem wechselt; sie würde sichim Gegentheil darüber sehr beklagen. Sie hat sich oftmit großer Entschiedenheit gegen den Uebergang zurDoppelwährung ausgesprochen."
Unsere Industrie hat ganz Recht, daß sie das „Münz-system" nicht wechseln will, wer will das? Und wer sprichtvom Uebergang zur Doppelwährung? Unser Münzsystembleibt unverändert, wenn wir unsere Prägegesetze zu Gunstendes Silbers erweitern, und gegen die „internationale"Doppelwährung, die wir anstreben, hat die Industrie sichniemals mit großer Entschiedenheit gewendet. Der Handels-tag ist nicht die Industrie, und selbst wenn dem Handels-tage die Frage richtig gestellt würde, wenn er abstimmenwürde, soll Deutschland, wenn England das bimetallistischeSystem durchführen will, mitthun oder nicht — selbst imHandelstag blieben die Fanatiker, die „nein" sagten, in derMinderheit.
Aber nun die „Aussichten des Bimetallismus". HerrDr. Koch sagt:
„Zunächst ist ja — das werden Sie nicht leugnenkönnen heutzutage bei Ländern mit minderwerthigerWährung viel mehr Neigung vorhanden, die Goldwährunganzunehmen."
Diese Aeußerung des Herrn Reichsbankpräsidenten istwieder ein Beweis für den Mangel eines genügenden Ein-dringens in das Währungsproblem. Giebt es denn jetztüberhaupt eine andere vollgültige Währung als die Gold-währung? Müssen nicht alle Staaten dem Beispiel derHaupthandelsstaatcn nachzustreben suchen? Kommen hiernicht noch ganz andere Faktoren in Betracht als lediglich