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und wirtschaftlichen Wirkungen führt. Nimmt aber um-gekehrt die Goldproduktion zu und die Silberproduktionvermindert sich, so tritt wieder eine Ansgleichung ein, dieGeldentwerthung wird verhindert und die Wirkung ist aber-mals besser als bei jeder Einzelwährung — deshalb istdievertragsmäßigeDoppelwährung die stabilste Währung.
In seiner ausgezeichneten Darlegung der UnHaltbar-keit der Goldwährung, die jeder lesen sollte/) der überdie Währungsfrage ein Urtheil gewinnen will, sagt Frei-herr von Roggenbach, ein Mann, dessen Eintreten für Bi-metallismus an sich ein Zeugniß für die bimetallistischeWahrheit ist:
„Vor allem ivird der Grundirrthnmder Monometallisten,es würde in dem Golde ein von Schwankungen des eigenenWerthes losgelöster stabiler Werthmesser für alle Waaren-preise geschaffen werden können, nicht durch irgendwelcheArgumentation aus der Welt geschafft werden. Ein Normal-meter, wie er der Gradmessnng zu Grunde liegt, läßt sicham wenigsten für die Preismcssung von Waaren denken,weil der Werthmesser selbst, nach dem Gesetze von Angebotund Nachfrage, fortwährender Schwankungen unterliegt, diein seiner größern oder geringern Kanfkraft zum Ausdruckkommen. Daß ein aus mehreren Metallen zusammengesetzterWerthmesser in seinen Schwankungen geringer sein wird,ähnlich wie ein komponirter Pendel, scheint mir auf derHand zu liegen."
Man kann sich wirklich keinen größeren Gegensatz vor-stellen, als zwischen den Darlegungen des Freiherrn vonRoggenbach, die von der Höhe eines über den Parteienstehenden Staatsmannes ausgehen und der Rede des Reichs-bankpräsidenten Dr. Koch, die für mich in den folgendenWorten gipfelt:
„Jeder Staat hat das Münzsystem, was für seine Ver-hältnisse am besten paßt. So paßt die bei uns gesetzlichbestehende Goldwährung für unsere Verhältnisse am besten."
Ich setze hiergegen die folgenden Worte des Herrn vonRoggenbach:
*) Abgedruckt in Mr, 23 des „Deutschen Wochenblattes" undNr. 2 der „Bimctallistischen Monatsschrift."