Druckschrift 
Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

79

Von vornherein erscheint es mir sehr mißlich, wenneine so komvlizirte schwierige Frage vom Standpunkte eineshier wenig angebrachten, mehr oder weniger leidenschaft-lichen, nationalen Chauvinismus behandelt werde. Dieselbeist und bleibt eine wesentlich internationale, bei der nurdas kühle Abwägen unserer deutschen mit anderen Nationenabsolut gemeinsamen, und ohne Zusammenwirken mit diesenandern, garnicht sicher zu stellenden Interessen ausschlag-gebend sein kann und darf.

Diese Interessengemeinschaft aller Handelsstaaten, dies-seits und jenseits der Meere, scheint mir aber gerade inder Währungsfrage evident. Sie alle können nicht ohnefortwährenden Nachtheil, eine von Schwankungen unab-hängige Berechnungsgrundlage für die Werthschätzung ihresWaarenaustausches in dem dazu bestimmten Werthmesser,in dem Geldausdrucke der Waarenwerthe, entbehren.Diese gemeinsame Berechnungsgrundlage war früher an-nähernd vorhanden, ehe die Länder sich in solche theilten,welche das gelbe Metall mit stets steigendem Werthe gegen-über den Waarenpreisen benutzen, und in solche, welche beidem weißen mit stets sinkendem Werthe verblieben sindund verbleiben mußten, Es ist dieser Zustand derWährungsverhältnisse gewiß keiner, wie ihn die Bedürfnisseeines soliden Handels verlangen. Die Schwankungen imWerthe beider Metalle, welche sich in den einzelnen Ländernals Preismesser gegenüberstehen, stellen eine unbekannteGröße in jede Kalkulation ein. Dies ist bei Transaktionenmit Ländern auf Goldbasis fast noch schlimmer, als beisolchen mit Silberländern, da der Marktpreis von Silber,von rapiden Preisstürzen abgesehen, jederzeit erkennbarund nahezu abschätzbar ist, der Goldpreis aber, der sichnicht an sich selber messen kann, überhaupt nur noch anden sinkenden Waarenpreisen annähernd zu schätzen ist. Esist eben absolut unwahr, daß ein Zwanzig-Markstück, wennes auch den gleichen Prägestempel, wie 1873 trägt, heutenicht mehr werth ist, als 1873. Denn es kann heutegegen mehr Waaren umgetauscht werden, nicht allein, weildie Waaren aus tausend Ursachen wohlfeiler geworden,sondern weil seine eigene Kaufkraft gestiegen ist.