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Herr Reichsbankpräsident Dr. Koch und die Währungsfrage : eine Antwort auf die Herrenhausrede des Herrn Dr. Koch vom 16. Mai 1895 / von Otto Arendt
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Es genügt bei solcher Sachlage nach meiner unmaß-geblichen Ansicht nicht, daß ein einzelner Staat wähnt, aufder sicheren Basis seinerbewährten Währung" dem un-günstigen Einflüsse der Währungsverhällnisse entzogen zusein. Mag auch die Preissteigerung des Goldes der gold-besitzenden Nation eine trügerische Bereicherung verschaffthaben und auch das individuelle Wohlbefinden der aufRenten, Besoldungen 2c. Arbeitslöhne angewiesenen Klasseneine relative Steigerung erfahren haben, die üble Lageanderer Staaten berührt jede Nation nicht minder, so langesie mit dem andern Lande Geschäfte macht. Auch treffensie sicher die ungünstigen Rückwirkungen auf die eigenewirlhschastliche Lage, welche ans den Chancen hervorgehen,welche sich dadurch diesen andern Ländern eröffnen, daßsie mit uns, einem Lande mit einem Werthmesser von er-höhter Kaufkraft in Handelsbeziehungen treten.

Die Solidarität der durch Handel Waarenaustauschtreibenden, und für diesen Austausch industriell thätigenNationen, bringt es mit sich, daß es einmal für sie nichtgleichgültig sein kann, ob die Kaufkraft der Waaren ab-nehmenden Länder in Folge der Währungskrisis eine ge-ringere wird. Noch weniger, ob die Produktionsbe-dingungen anderer sich gebessert, beziehungsweise für sieselbst sich verschlimmert haben.

Trotz der anscheinenden Trivialität dieser Sätze scheinendieselben keineswegs allgemein in ihrer ernsten Tragweitegewürdigt zu sein."

Soweit Freiherr v. Roggenbach, ich komme nun auf dieFrage des Werthverhältnisses zurück. Darüber wird niemalsEinigung zu erzielen sein, sagtHerrDr.Koch, über Nichts ist dieEinigung leichter, antworte ich. Wennmannur denBimetallis-mus einführen will, löst sich diese Frage ganz von selbst.

Freilich wenn man mit Herrn Dr. Koch und der Gold-währungspartei hartnäckig an dem Irrthum festhält, daßdie Vermehrung der Silberproduktion das Silber entwerthetund daß der jetzige Panikpreis des Silbers sein wirklicherWerth ist, dann bietet die Relationsfrage die größteSchwierig-keit, denn dann muß die Relation mit jeder Aenderung derProduktionsziffern sich ändern daher bleibt ja die Gold-