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darum, weil sie nicht grausam genug ist, ein doch unab-änderliches wirthschaftliches Absterben mit allen seinenQualen noch künstlich zu verlängern. Nicht die Er-haltung, sondern die Auflösung der zwischen Arbeit undKapital hin und her geworfenen Mittelschichten liegt imInteresse der Lohnarbeiter. (Hört! hört!)
Meine Herren, nicht im Interesse der Lohnarbeiter,aber im Interesse der Sozialdemokraten! Denn dieseMittelschicht, das ist diejenige Schicht — der Bauer, derHandwerker, der Mittelstand — an der die Sozialdemokratiezerschellen wird und zerschellen muß. Und diese zu zer-stören, das ist, nach Schippel, das Wesen der Goldwährung:und deshalb ist er Anhänger der Goldwährung. Dassollte doch für alle produzirenden Klassen, für alle staats-erhaltenden Klassen, und namentlich für die KöniglicheStaatsregierung ein ernster Fingerzeig sein." (Bravo ! rechts.)
Der jetzige Sozialdemokrat Schippel war, bevor erein Sozialdemokrat wurde, eifriger Bimetallist, eben deshalbist die Auseinandersetzung, die ich mit ihm herbeiführte unddie als Broschüre erschienen ist"), sehr belehrend für dasVerhalten der deutschen Sozialdemokraten in der Währungs-frage. Der Goldwährungspartei, namentlich dem HerrnReichsbankpräsidenten, mag diese Bundesgenossenschaft un-angenehm sein, aber leugnen läßt sich doch nicht, daß auchder vielgefeierte Sieg in der Württemberger Kammer nur mitdemokratischen Stimmen erfochten ist, wobei denn auch diebeiden in derKammer sitzenden Sozialdemokraten nicht fehlten.
Den Gedanken, welchen der Herr Reichsbankpräsidentschließlich über den vermehrten Eisenbahnbau in Indienund die vermehrte Getreidezufuhr von dort ausspricht, habeich, als ich ihn in einer Schrift von Helfferich fand, als„verflucht gescheit" bezeichnet. Ich hätte mich natürlichanders ausgedrückt, wenn ich hätte ahnen können, daß derPräsident der deutschen Reichsbank sich auch diesen Gedankenaneignen würde. Ich darf deshalb hier wohl die Ab-fertigung anfügen, die ich gegen Herrn Dr. Helfferich im„Deutschen Wochenblatt" schrieb:
Die Sozialdemokratic und die Währungsfrage, eine Auseinander-setzung zwischen Dr. Otto Arendt und Max Schippel- Berlin , Hermann Walther.