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wird die dortige Volkswirthschaft sich heben." — DieseBemerkung des deutschen Bankpräsidenten wird in denSilberländern recht lebhafte Verwunderung hervorrufen. InMexiko und Japan nahm man bisher an, daß umgekehrt dieSilberentwerthung die dortige Volkswirthschaft gehobenhabe, und ein chinesischer Gegner des Bimetallismus, derallerdings anderer Auffassung war wie Herr vr. Koch, sagte:„Ich wünsche nicht, daß irgend etwas geschieht, um denSilberpreis zu heben; je billiger Silber steht, desto besser,sinkt der Dollar auf Sixpence, dann kann Niemand mehrmit uns konkurriren."
Welcher Gegensatz zwischen diesem praktischen chinesischenGeschäftsmann in Shanghaiund dem Präsidenten derDeutschenReichsbank, der in seinem Eifer für die „bewährte" Gold-währung selbst die zweifelhaftesten Argumente blutjungerGelehrter heranzieht, obwohl eine Anfrage bei irgend einempraktischen Industriellen, er möge immerhin Goldwährungs-mann sein, Herrn Or. Koch darüber doch hätte Gewißheitbringen müssen, daß die Steigerung des Silberpreises denSilberländern finanziell vortheilhaft, volkswirthschaftlichaber schädlich sein wird, weil die Ausgleichung der Valuta-Differenz mit den Goldwährungsländern sie eines Schutz-zolls und einer Exportprämie von der Höhe der Silber-entwerthung beraubt.
Bezüglich des „Krachs", den Herr Dr. Koch in Aus-sicht stellt, verhält er sich doch auch gemäßigter, als dassonst von der Goldpartei geschieht, diese pflegt gewöhnlich zudrohen, daß schon bei einer Möglichkeit, daß Deutschland „anderGoldwährungrüttle" eine Krisis eintritt, durchl) Erschütte-rung der deutschen Valuta, 2) Erschütterung des Kredits, na-mentlich des Staatskredits, 3) Kündigung aller Hypotheken.Was die Erschütterung der Valuta betrifft, so müßten, da essich nur um internationalen Bimetallismus handelt, alle solidenValuten und Staätspapiere „erschüttert" werden undder unglückliche Gläubiger müßte schon sein Gold nachder Türkei schicken, die wahrscheinlich mit Vergnügen„Rückzahlung in Gold" verspricht, vielleicht aber —weder in Gold noch in Silber zahlt. Praktisch wirdkein Mensch mehr verlangen, als daß Mark, Frank,