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hilft uns jetzt und künftig durch. Die Deutschen sind ein Kartoffelessendes Volk. Wir haben gar keine Besorgnis, daß Englands Aue-bungerungspläne gelingen könnten.
Aber ganz unbeabsichtigte, für Deutschland überaus günstige Wir-kungen hat Englands Handelskrieg bereits gezeitigt, und wird er inverstärktem Maße auch künftig zeitigen. Zunächst ist zu wünschen, daßdie durch den Krieg gebotene Einschränkung eine Rückkehr zu größererEinfachheit und Bescheidenheit mit sich bringt. Dann aber zwingt Eng-land uns förmlich, uns auf die eigenen Füße zu stellen. Man macht unszum „geschlossenen Handelsstaat". Das ist gerade für Deutschland mitseiner bisherigen Vorliebe für das Fremde und Auswärtige sehr segeno-reich. Welche Verblendung Englands, man will Deutschlands Handelschädigen und ruinieren und man stärkt ihn und gibt ihm noch vielfestere Wurzeln. Das Freihandelsland England , das Land, das nament-lich vorn Freihandel anderer Länder den größten Vorteil hat, wird durchden Weltkrieg den Freihandel völlig begraben. Bei uns in Deutschland ist sicher der Kampf um die Wirtschaftspolitik beendet. Was wären wirjetzt ohne unsere erfolgreiche Agrarpolitik. Sie hat die deutsche Land-wirtschaft so leistungsfähig gemacht, daß die Aushungerung mißlingenmuß. Und unsere Industrie, wo bliebe sie heute, wenn sie ausschließlichauf die Ausfuhr zugeschnitten wäre und die inneren Märkte ihr nichtdurch den Schutzzoll gesichert waren. Ein fortschrittlicher Führer sagtemir kürzlich: „In den wirtschaftlichen Fragen müssen wir nach den Er-fahrungen des Weltkrieges völlig umlernen". Ich zweifle nicht, daßdas Wort auch für die Sozialdemokratie zutrifft, wenn nicht für dieFührer, so doch jedenfalls für die Arbeiter, welche die hohe Bedeutungeiner leistungsfähigen Landwirtschaft ebenso praktisch kennen lerntenwie die Unzuverlassigkeit aller ausländischen Markte für unsere Industrie.
Es ist schwer, sich die Zeit nach dem Weltkrieg vorzustellen. Nurdas eine glaube ich sicher, daß, wie auch immer der Frieden ausfallenmöge, die Folgen dieses Krieges nicht mit ihm selbst enden. Wir stehenmitten in der gewaltigsten Umwälzung, welche vielleicht jemals dieMenschheit erfaßt hat. Der Riß, den Englands engherzige, kleinlichePolitik des Neides gegen Deutschland in der ganzen Welt hervorrief,kann sich nicht so leicht wieder schließen. Daraus werden für England und seinen Handel schwere Nachteile entstehen müssen. Ein Zeitalter desHochschutzzolls wird kommen. Aber das natürliche Austauschbedürfni?von Land zu Land wird bleiben. Und hier ist Deutschland England un-endlich überlegen. Der europaische Kontinent mit Ausnahme des nach