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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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Asien bingeneigten Nußland, hat nahezu übereinstimmende wirtschaft-liche Bedingungen. Ganz anders die großbritannischcn Inseln, diesewerden nicht auf die überseeische Aufuhr verzichten, gegen welche diekontinentale Produktion sich zur Wehr setzen muß. Hier ist Deutschland die natürliche wirtschaftliche Vormacht. Unsere enge Bundesgenrssen-schaft zu Österreich-Ungarn und der Türkei wird eine engere wirtschaft-liche Verbindung mit diesen Landern zur Folge haben. Damit ist einWirtschaftsgebiet von ausschlaggebender Bedeutung geschaffen. Wie nachder Begründung des Jollvereins werden ganz von selbst dem Geboteder Selbstcrhaltung folgend die europäischen Staaten sich diesemgroßen Wirtschaftsgebiet angliedern müssen. Hierbei werden wir Ge-legenheit finden, die Haltung der Staaten wahrend des Weltkriegesden Bedingungen zugrunde zu legen, welche wir ihnen in ihrerStellung zu unserem Wirtschaftsgebiet gewähren. Wir werden langsamaber sicher die Ausschließung Englands von unserem Wirtschaftsgebieterreichen, eine neue Kontinentalsperre auf der modernen Grundlageder freien Handelsbewcgung.

Aber nicht nur wirtscbaftlich werden wir auch nach dem Kriege dasLos von England" fordern, sondern ebenso finanzpolitisch. Für unsmuß London aufhören, der Weltbankier zu sein. Die Englander sindauch hier unsere Lehrmeister. Sie haben uns gezwungen, ohne ihrenallmacbtigen Geldmarkt durchzukommen und wir sehen, es geht auchso. Auch hier beginnt eine neue -Zeit. Das deutsche Kapital hat schweresLehrgeld zahlen müssen. Die Vorliebe der Kapitalsanlage im Auslandebat sich bitter geracht. Die deutschen Anleihen und Werte kommenwieder zu Ehren, auch der so schwer betroffene Ncalkredit wird schließlichbierauS Vorteil ziehen. Die ungeheure Sparkraft Deutschlands , derausländischen Kapitalsanlage so gut wie beraubt, ermöglicht ohne Zer-rüttung unserer Finanzen die Milliardenkosten des Weltkrieges auf-zubringen. Unsere finanzielle Rüstung ist hinter unserer militärischenRüstung nicbt zurückgeblieben, die Reichsbank hat dank der Vorberei-tungen, die seit HavenstcinS Amtsantritt getroffen wurden, den Weltkriegbesser überstanden als die Banken von Frankreich und England . Wirbalten auch hier durch. Sicher sind die finanziellen Anforderungen überalles bisherige Maß hinausgehend, aber das sind sie nicht bloß bei uns,das sind sie bei unseren Femden ebenso. Was diese leisten, leisten wir auch., Wie kann der Weltkrieg enden?

Einige meinen, so plötzlich, wie er begonnen hat. Das glaube ichnicht. Der Weltkrieg wird nur enden, wenn die Einsicht bei unseren