Druckschrift 
Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
Entstehung
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Verehrter Freund!

Es war mir eine große Freude, nach so langer Zeit wieder einLebenszeichen von Ihnen zu erhalten und zu hören, daß Sie mir Ihrealte Freundschaft treu bewahren. Auch ich überschrieb diese -Zeilen nichtder Form wegen, sondern aus innigster Empfindung ebenso wie in denlangen Jahren, wo wir unsere Gedanken austauschten und so erfreu-lich oft eine Übereinstimmung unserer Ziele und Gesinnungen fest-stellten.

Ich sehe Sie vor mir mit Ihrem klugen und gütigen Gesicht, dasuntrüglich wahre Menschenfreundlichkeit kündet. Ich fühle und weiß,wie weh Ihnen die Ereignisse dieses Weltkrieges tun und ich begreifedie Empfindungen, die Ihnen die Feder in die Hand zwangen, ummir zu schreiben.

Sie haben den gleichen Glauben zu mir wie ich zu Ihnen. Siekönnen sich nicht vorstellen, daß ich den Ausammenhang der Dinge andersauffasse als Sie.Es gibt doch nur ein Recht, nur eine Wahrheit, wirsind beide immer für Recht und Wahrheit eingetreten, deshalb müssenwir doch jetzt auch uns zusammenfinden können, wir müssen über natio-nale Vorurteile hinweg die objektiven Tatsachen ergründen und dannunzweifelhaft so weh es uns auch tun mag das Unrecht des eigenenVaterlandes einsehen".

Sie sind so gütig nur zuzugestehen, daß es schwer sei, in Deutschland die Wahrheit zu erfahren. Um so leichter verfalle man der Täuschung.Dieser arglistigen Täuschung, die das deutsche Volk zum Haß gegenEngland verführte, würde auch ich wohl verfallen sein. Eben deshalbwollten Sie mir die Wahrheit enthüllen. Niemals in der Geschichte habeein Volk so. rein und selbstlos zum Schwerte gegriffen wie das englische.Nur zum Schutze des Rechts, zum Schutze der Schwachen gegen brutalenÜberfall kämpfe Großbritannien. Ohne den Überfall Belgiens hattekein Englander den Krieg gebilligt. Deutschland allein trage die Blut-