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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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Feinden durchbricht, daß Deutschland nicht niederzuringen ist. Eigentlichsollte das heute schon jeder Einsichtige erkennen. Diese Erkenntnis abermüßte zu der weiteren Einsicht führen, daß alle weiteren Opfer nurdie eigene Lage verschlechtern. Gewiß würden Nußland oder Frankreich heute bei einem Sonderfrieden besser fortkommen, als wenn sie einenKrieg fortsetzen, der, wenn die Niederringung Deutschlands unmöglich ist,nicht mehr ibren, sondern höchstens englischen Interessen dient. Alleinauch England vergrößert mit jeder Kriegsstunde seinen Einsatz. Dennimmer naher rückt die Gefahrdung des Suezkanals und der Angriff aufIndien. Mir scheints, als ob man in England Vogelstraußpolitik treibt.Man will die Gefahr nicht sehen und denkt, daß sie dann nicht existiert.Uns kann das recht sein. Wir vertrauen auf unsere Kraft. Unser Heerwird seine schwere Aufgabe weiter erfüllen, unsere Reichsgrcnzen schützenund Nußlands und Frankreichs halbzermürbte Heere vollends er-ledigen. Dabei werden wir auch mit den englischen Verstärkungen fertig.Unsere Flotte hat Großes geleistet. Indem sie bei Helgoland die Wachthalt, bleibt die Ostsee frei für uns und unsere Hafen blieben unblockicrt.Ein halbes Jahr nach Kriegsausbruch gibt es noch eine deutsche Flotte!Wer von den englischen Großsprechern hätte das vor dem Kriege alsdenkbar anerkannt, wenn selbst ein Mann von Ihrer vornehmen Jurüct-baltung immer und immer wieder seit langen Jahren als seine felsen-feste Überzeugung mir aussprach, daß das erste Iiel eines Krieges fürEngland sein müsse,die deutsche Flagge von der See zu entfernen".Und heute rät die englische Admiralität den britischen Schiffen betrüge-rischerweise die neutrale Flagge zu zeigen! Und England ist von dendeutschen II-Boten blockiert! Wie weh muß das einem altbritischenPatrioten Ihrer Art tun.

Ist es noch möglich auf Besserung zu hoffen, zu hoffen, daß dieserfurchtbare Weltkrieg ein befriedigendes Ende finde, dem ein dauernderFriede folgt, in welchen! der Haß zwischen den Völkern wieder schwindetund wir wieder zu der Kulturgemeinschaft zurückkehren, die durch denWeltkrieg so furchtbar zerstört ist.

Ich habe wenig Hoffnung nach dieser Richtung. Die Voraussetzungwäre eine Umkehr des öffentlichen Geistes in England . Die Engländermüßten das Unheil begreifen, das sie angerichtet haben, sie müßten denBetrug oder Selbstbetrug aufgeben, daß sie für Belgien , für Recht undFreiheit, gegen den Militarismus kämpfen. Das englische Volk müßteeinsehen, daß es kein Vorrecht vor anderen Völkern, keinen Anspruch aufdie Weltherrschaft zur See hat. Eine solche Gesundung der englischen