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Volksseele halte ick nicht für möglich. Der sehr ernste Hintergrund diesesWeltkrieges scheint mir vielmehr eine imnier zunehmende geistige Zer-rüttung des englischen Volkes. Das Treiben der Wahlwciber, die Ulstcr-krisiS waren bereits recht bedenkliche Anzeichen. Wird doch behauptet,daß die Furcht, daß die Ulsterkrisis zum Bürgerkrieg und zum Sturzdes englischen Kabinets führen müßte, eine der Hauptursachen desWeltkriegs sei. Jedenfalls müssen Sie mir gestatten, so schmerzlich mirdas Ihnen gegenüber ist, auch hierauf hinzuweisen.
Vereinzelt dämmert auch in England die Erkenntnis des Kom-menden. Es ist ein englischer Sozialdemokrat Walter Newbold, derim „Labour Leader" schreibt:
„England habe sich zum Kriege entschlossen, weil sich die Scharfeder fremden Konkurrenz auf den: Weltmärkte schwer fühlbar machte.Wahrend Belgien und Frankreich ihre Arbeiter in den Schützengrabenschicken, prunken wir mit dem Motto: „Geschäft wie gewöhnlich wahrendder Änderungen der Landkarte Europas ". Unsere Verbündeten werdensubventioniert, und Nationen, die sich durch alte Rassenfehden zumAbgrund treiben lassen, werden mit Anleihen und Versprechungen zurBeteiligung an dem Konflikt angespornt. Es ist sehr wahrscheinlich,daß am Ende des Krieges die europaischen Nationen bis an den Halsbei uns verschuldet sein werden oder daß sie von unseren Kapitalistenden Wiederaufbau ihrer Industrie und ihres Handels erwarten werden.Unsere ganze Geschichte schreit zum Himmel, daß es immer so war.Die deutschen Ökonomen, Staatsmanner und Militärs haben dieseLehre in unserer Geschichte gefunden, und die Franzosen werden, wennihre Finanzleute mit den unscrigen um die Fleischtöpfe Nußlands,Afrikas und des Orients wetteifern werden, diese Lehre wieder ent-decken. Belgien wird uns einst noch verfluchen. Alle Nationen beginnenuns zu durchschauen, und wenn sie sich zusammentun, wird keine Flotteund kein Heer dieses durch das Schwert gewonnene und durch dasSchwert zusammengehaltene Weltreich vor dem Untergang retten.Wir verteidigen Belgien , weil es das jenseitige Ufer des Kanals unddie Mündungen der Schelde und des Rheins überwacht. Wir sind Ver-bündete Portugals, weil es uns eine Hintertür nach Spanien offen-bält. Wir begönnerten Italien, weil es eine Drohung gegen Frank-reich und Österreich-Ungarn bildete. Wir waren der Pate Japans ,weil es eine Fehde mit Rußland hatte und weil es jetzt die VereinigtenStaaten in, Auge behält. Wo sind aber unsere Bemühungen für Finn-land, für die kleinen Balkanvölkcr, für Persien , für die Ägypter, für