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Wir und die Engländer : offener Brief an einen englischen Freund / von Otto Arendt, Mitgleid des Reichstags und des Hauses der Abgeordneten
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unrecht getan. Vielleicht waren sie es nicht, die Japan riefen, vielleichtwar Japan es, das sich drohend aufdrängte, und England war bereitsso weit am Niedergang, daß es sich die verderbliche Freundschaft derJapaner gefallen lassen mußte, eine Freundschaft, die gar leicht undvielleicht schneller, als man heilte ahnt, zur Feindschaft wird. Dennwenn Englands Sterne sinken, werden die Japs die ersten sein, diesich zum Raube einstellen. Zu spat wird man in England einsehen,wieviel gefährlicher für Großbritanniens Weltherrschaft die Japanersind im Vergleich zu den friedliebenden Deutschen . Disracli machteGroßbritannien zur Weltmacht, ließ Konigin Viktoria zur indischen.Kaiserin krönen und machte den Schutz des Islams zum Angelpunktder britischen Politik. Noch bei Faschoda trat England Frankreich ent-gegen, dann begann die Angst vor Deutschland die Geister zu verwirren.In der Marokkopolitik beging England den ersten, verhängnisvollenFehler, denn um sich mit Frankreich gulzustellen, überließ man es denDeutschen, für den Islam einzutreten. In dem Maße, wie sich England auf die Einkreisungspolitik einließ, suchte Deutschland seine Stellungin der Türkei zu festigen. Der Dreibund ini Einvernehmen mit der Türkei war unangreifbar. Auch als der deutschfreundliche Sultan Abd-ul-.Vamid gestürzt wurde, waren die Jungtürken viel zu einsichtig, um zuverkennen, daß die Türkei verloren ist, wenn die Deutschen dem An-sturm Rußlands erliegen. So mußte der Balkanbund als Mine fliegen.Und diesmal hatte die Niederlage der Türkei den Dreiverband zum -Zielgefübrt, wenn nicht der Kampf um die Beute entstanden wäre. Derzweite Balkankrieg fübrtc zur Wicderaufrichtung der Türkei durch dieZurückeroberung von Adrianopcl und zur unversöhnlichen Feindschaftzwischen Bulgaren einerseits und Serben und Griechen andererseits.Dadurch war eine einheitliche Haltung der Balkanstaatcn unmöglichgemacht und den Türken wieder Bewegungsfreiheit gegeben.

War Grey sich im unklaren über die Rückwirkung des europäischen^rieaec- auf dem Orient, oder hat er unter der Suggestion der deutschen Gefabr die erste Eigenschaft eines leitenden Staatsmannes verloren,die Forderungen des Tages an dem Maßstabe der dauernden VolkS-intcrcsscn zu messen? Bezeichnet DiSraclis Politik den Aufstieg Eng-lands und war im Hinblick auf die imperialistische Politik die Freundschaftmit dem Islam die Grundlage seiner Erfolge, so hat Grey durch seinenHaß gegen Deutschland diese Grundlage beseitigt und damit die Axtan das großbritanniscbc Imperium gelegt. In Indien und Ägypten ,in Nord- und Mittelafrika, in Persien und Arabien droht zugleich der