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Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
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DAS DORF GEBERSCII WEIER.

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kein bloses Vergnügen, wie sicli die meisten Städter vor-stellen. Mit der grössten Anstrengung muss da von Morgensbis Abends unermüdlich geschnitten werden.

Es wird jetzt meistens mit Rebscheeren gelesen, undwer die Handhabung dieses Instrumentes kennt, wird leichtcinsehen, wie angreifend es sein muss, dieselbe Operationimmer und immer zu wiederholen. Desshalb muss auch denWeinlesern gestattet werden, sich durch Scherz und Gesangzu ergötzen.

Alles geht in den Herbst und eben darum vergisstman die Anstrengung der Arbeit. Besonders wenn die Rebenschönen Herbst haben, herrscht grosse Munterkeit und eineAlles hinreissende Ausgelassenheit.

War dies der Fall, dann wird auch einHerbstmaien,woran allerhand kleine Geschenke für die Herbster hängen,beim Heimfahren in die letzte Butte gesteckt.

Bevor danu die Herbster wieder Weggehen denn essind immer sehr viele Fremde, vereint sie ein üppiges Gast-mahl um den Tisch des Ilauswirthes.

In kleinen Gruppen verlassen dann die Herbster dasDorf, um, wandernden Vögeln gleich, nächstes Jahr wiedor-zukommen.

Mit dem Herbst beginnen auch die so wichtigen Ar-beiten der Kellerwirthscbaft, und sind durch einige einsichts-volle Winzer hierin wirklich Fortschritte gemacht worden;doch lässt im Grossen und Ganzen dieser Zweig der Wirth-schaft noch sehr viel zu wünschen übrig.

Schon die Lese selbst dürfte mit mehr Umsicht ge-schehen; hier könnten oft durch nicht zu frühes Herbstenbedeutend bessere Qualitäten erzielt werden, sowie durchsorgfältigere Behandlung des Mostes während der Gährung,welche hier zu viel sich selbst überlassen bleibt.

Das grösste Absatzgebiet für die Weine von Gebersch-weier ist die Industriestadt Mühlhausen und das nicht Wein-bau treibende Ober-Elsass mit seinen gewerbereichen Thälern.

Die meisten Weine sind Weissweine; sie sind kräftig,alkoholreich und körperreich. Sie eignen sich desshalb gutaufs Lager und geniessen eines guten Rufes.