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II. ABSCHNITT.
die praktische Anwendung und deren gute Resultate zuvorgesehen und anerkannt hat.
Weiberarbeiten sind das Anbinden, Biegen, Niederziehender Gerten, Heften, Ausbrechen der unnützen Triebe undGrasen, sowie das Herbsten und das Zusammenlesen des Holzes.Alle andern Arbeiten, Schneiden, Pfähle stecken, Hackenund Rühren, sowie die schweren Lesearbeiten sind denMännern zugewieseu. Dieser Umstand bringt es mit sich,dass im Rebbau gut ganze Familien ein Jahr hindurch be-schäftigt werden können.
Die Lohnsätze sind hier dieselben wie in den andernzwei Gemeinden, Hüttenheim und Obcr-Spechbach.
Der Taglöhner zeigt hier, gegenüber seinem Arbeitgebereine sehr grosse Unabhängigkeit. Leute von l'/a HektarGrundbesitz sind oft schon im Stande, sich der Taglohnarbeitzu entziehen. Es ist schon mehr ein Gefallen, den diese thun,wenn sie einer Aufforderung Folge leisten.
Die Unmöglichkeit, oft zu rechter Zeit die Taglölmerzu erhalten, bewegt sehr viele Rebbositzer, die Arbeiten imAccord zu vergeben. Dies geschieht meistens an eine Winzer-familie, um so deren männliche und weibliche Mitglieder zubeschäftigen, indem alle Arbeiten vergeben werden.
Die Yerdinglöhne für alle Arbeiten betragen 260 Mark,mit 100 Liter Wein (30 Mark) pro Hektar; somit ein Ver-dienst von 290 Mark. Eine grosse Familie kann so 2 Hek-tare alle Jahr annehmen, was ihren jährlichen Verdienst auf580 Mark bringt; daneben kann sie auch noch ihr eigenesGut. bebauen.
Die gesammten Productionskosten eines Hektars Rebenbelaufen sich in Geberscliweier auf 1450 fr. mit einer 5°/oigenVerzinsung von 9 500 Mark.
Der durchschnittliche Bruttoertrag der zwanzig Jahre1863,82 ist 1711,55 Fr. Dies ergibt eine durchschnittlicheGrundrente von 7,20 °/o.
Die Weinlese fällt regelmässig auf die Mitte des Ok-tobers und dauert etwa 14 Tage, selten erstreckt sich die-selbe bis auf Allerheiligen.
Es ist dies eine schöne, aber sehr ermüdende Arbeit,