64
III. ABSCHNITT.
Treppenthurm aufweisen, da entsprach es schon mehr derNatur der Dinge, da konnte ein witziger Winzer schonbesser, im Bewusstsein, dass er seinen Namen und seinenGeist verewige, irgendwelche Inschrift anbringen.
Nirgends in den bewohnten Häusern — unbewohntesind deren viele da seit dem Abzüge einer grossen Zahl ver-dienstlos gewordener Fabrikarbeiter — sieht man zerbrocheneFensterscheiben, und durch die Scheiben hindurch erblicktman die schönen, glänzend weissen Vorhänge; mir ist esgeradezu aufgefallen, wie manchmal bei ärmlich aussehendeuHäuschen ein Reinlichkeitssinn hervortritt, der ganz erfreu-lich auf den Beschauer einwirkt. Es ist angenehm für uns,dies besonders auch bei der Arbeiterbevölkerung Hüttenheimsbestätigen zu können. Wie ganz anders sehen diese Woh-nungen hier aus als in den „Cites ouvrieres “ von Mühl-hausen !
Niedrig sind diese Häuschen, wo nur ein Geschoss sichfindet, in der That; die in der Mitte der Langseite sich be-findende Thüre nimmt die ganze Höhe der Mauer ein, undbeim Eintreten muss ein hochgewachsener Mann immer aufseinen Kopf Acht haben.
Bei allen Häusern, grossen wie kleinen, ist die Thürezweigeteilt. Im Sommer und auch sehr oft im Winterbleibt der obere Theil offenstehen, und dient als Lucke fürden Hausflur und die dahinter sich befindende Küche.
Dies ist der äussere Anblick des Dorfes Hüttenheimund der Häuser seiner Bewohner.
An Steingebäuden sind hier nur das neue Rathhaus unddie neue Mädchenschule, und einige durch die Fabrik erbauteoder der Fabrik ungehörige Häuser.
Der Steinbau in dieser Gegend wäre ganz unwirt-schaftlich, und der Werth eines solchen Gebäudes stände garnicht in gesundem Verhältnisse zum Grund und Boden dermeisten Bauern. So billig bauen als möglich und nur, wasnotwendig ist, das soll der Wahrspruch des sparsamenLandmannes sein.
Ein stattlicher Bau in schönem, grossen Garten ist der