das üoHF hüttenheim.
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Das Pochwerk bildet oft ganz hübsche Figuren, da dieBalken nicht übertüncht werden. Zwischen diesen Hölzernsind dünnere, roh gespaltene Sparren angebracht, welchemit Stroh umwickelt werden, um so dem Lehm einen Haltin den Lücken darzubieten.
Die Fühlung ist meistens mit einem weissen Kalk-anstrich überzogen, und es nehmen sich alsdann die weissenWände hinter dem Cfrün der Gärten im Sommer nicht un-schön aus.
Verzierungen sind wenige und dann sehr nüchtern ange-bracht. An älteren Häusern aus dem vorigen Jahrhundertfand ich jedoch Modellirungen an den Fensterpfosten undam Gesimse, an einer Hausecke sogar eine Mannesfigur inHolz eingeschnitten, darunter ein Hamen mit einer Jahres-zahl. Als ich einem Bauern mein Verwundern darüber aus-sprach und ihn das Bild betrachten liess, sagte er: „Es istEiner da hineingeschworen“. Also auch hier findet sich deralte, heidnische Aberglaube, der im Eisasse viel verbreitetist — natürlich glaubt ihn Niemand mehr, und er existirtnur noch als Märchen — dass gewisse, schlechte Leutenach ihrem Tode in irgend einen Gegenstand geschworenwerden; der Gegenstand ist meistens ein solches Bild oderein im Giebel eingemauerter Pferdekopf.
Zur Verzierung des Gebäudes sucht auch manchmalder Zimmermeister die Querhölzer so einzustecken, dass siemiteinander regelmässige, geometrische Figuren bilden; oftauch sind die Riegel schnörkelhaft zugeschnitten und zeugennoch von einer gewissen Phantasie des Erbauers oder desZimmermeisters. Manchmal sieht man auch hie und daschüchterne Versuche zu buntem Bemalen des Holzwerks.
Inschriften, die mehr als den Namen und die Jahres-zahl aufweisen, fand ich nicht. Diese Sitte habe ich schonmehr im Reblande angetroffen. Dies ist auch sehr leicht er-klärlich. Wozu Inschriften an hölzerne Häuser anbringen,wenn diese schon nach 50, höchstens nach 150 Jahren nichtmehr stehen? In der That zweihundertjährige Häuser sindgar keine mehr hier, hingegen im Reblande, wo alle Häuserburgartig sich erheben, wo viele Häuser ihren gothischen