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alte Fronliof, der im vorigen Jahrhundert gebaut worden istund jetzt der Fabrik gehört. Darin wohnte früher der je-weilige Direktor; nun steht der „Dinghof“ — so heisst manihn heute noch — leer.
Mit Interesse hörte ich hier noch von den Leuten er-zählen, wie vor der grossen Revolution alle Bauern nur„Lehbüre“ waren. Auf dem Chor der schönen, gothischenKapelle ertönte hell das Dingglöcklein, und der Frohnbotedurchlief eilends das Dorf, um die Leute zum Frohnhof zubieten. Drei Mal tönte das Glöcklein; wer am drittenGlockenschlage nicht da war, der zahlte die „Eynung“.
Das älteste Gebäude Ilüttcnheims ist eine schöne go-thische Kapelle. Wie wir dieselbe jetzt vor uns stehensehen mit ihrem zierlichen, schlanken Thürmchen, ward sieerbaut im Jahre 1416 an Stelle einer anderen Kapelle.Damals schon war diese Muttergotteskapelle ein gern be-suchter Wallfahrtsort. Im alten Benfelder Stadtbuch be-findet sich ein Kapitel, welches historische Ereignisse er-zählt; hierin lasen wir, wie anno 1426 verwegene Kriegs-leute sich unterstanden die Stadt Benfeld zu überlaufen; dochGott „wandt“ es, und dafür thaten Gemeinde und Rathder Stadt das Gelübde, jährlich nach llüttenheim prozessions-weise zu wallfahrten.
Die geräumige und schöne Pfarrkirche ist ganz modern.Sie wurde im Jahre 1843 erbaut, glänzt aber nicht durchdie Reinheit ihres Styls, der romanisch ist. Sie gleicht etwasden römischen Basiliken, und macht, von innen gesehen,einen guten Eindruck auf den Besucher.
Die Verzierung zeigt auch hier wieder, dass wir es miteiner grossen Zahl reicher Bürger zu tliun haben; denn diegemalten Fenster der Kirche sind alle von Privatleuten ge-stiftet worden.
Neben der Kapelle befindet sich der Kirchhof, der anguter Unterhaltung der Gräber es mit dem jeder Stadtaufnehmen kann.
Die Grabsteine sind sehr zahlreich und sind auch be-redte Zeugen des Wohlstands in der Gemeinde.
Treten wir nun in eines der erwähnten, grossem, ein-
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