DAS DORP IIÜTTENIIEIM.
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Nach Art und Weise des hiesigen Güterverkehrs dürf-ten die meisten Verschuldungen ihren Grund hierin haben.
Wie weit die Gemeindebürger von Hüttenlieim ver-schuldet sind, konnten wir nicht ermitteln, da die Hypo-thekenstatistik unzuverlässig ist.
Nach der Seltenheit der Zwangsverkäufe erscheint dieVerschuldung nicht übergross. Die Zwangsverkäufe, die mirbekannt sind, sind ursprünglich alle selbst verschuldete, unddurch die Juden, die in der Gegend wohnen, beschleunigtworden. Ueberhaupt wurde mir über diese privaten Geld-verleiher und Geldmäkler hierrots manches Ileldenstückleinerzählt, das ich hier nicht wieder erzählen will.
Ich glaubte es wäre möglich hier eine Darlehnskasseins Leben zu rufen, um dies Uebel zu bekämpfen; aber einsolches Vorhaben musste noch scheitern: „Es fehlt hier anGemeinsiun", erklärte mir eines Tages der Bürgermeister.
Die Wohlthaten eines solchen Vereins erkennen dieMeisten an; aber sie wollen nicht den ersten Schritt tliun.Die wohlsituirten Leute finden hier leicht Gelder, sogar unter5%; dies macht, dass die Kreditkassen nicht so leicht Ein-gang finden werden. Aber diese wären doch nur zur Deckungdes kleineren Kredits bestimmt, wenn z. B. ein Bauer seinenTabak nicht verkaufen könnte für den Augenblick oder einenkleinen Ankaufzu machen hätte, würde ihm durch die Kredit-genossenschaft ermöglicht sich vom lästigen Drucke derHandelsmäkler zu befreien.
DIE LANDWIRTHSCIIAFTLICIIEN ARBEITER-VERHÄLTNISSE.
Wir haben nun noch, das Kapitel abschliessend, alsletzte soziale Faktoren, welche auf die Leistungsfähigkeit derLandwirthschaft einwirken, die landwirthschaftlichen Arbeiter-verhältnisse näher zu betrachten.
Für die landwirthschaftlicho Bevölkerung, welche ihreArbeitskraft nicht gänzlich auf ihrem eigenen Besitzthum ver-