Druckschrift 
Die bäuerlichen Verhältnisse im Elsass : durch Schilderung dreier Dörfer / erläutert von A. Hertzog
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110

III. ABSCHNITT.

das Hektar lässt unsere Rentabilitätsrochnung nicht zu;zu 150 fr. haben wir noch keine Ueberschüsse zu verzeichnengehabt.

Die letzten Pachtgütervorsteigerungen haben in Folgedessen keinen guten Gang genommen.

Die Durchschnittspachtpreise betrugen hier 150 fr. proHektar. Wiewohl man überall auf die Frage die Antwort er-hält :Ein Gulden das Ar, so dürfte dies doch weit vomMittelwerthe abstehen, indem die Bauern bei dieser Antwortimmer nur an die besseren Lagen auf der linken Illseitedenken.

Das Ackerland wird gewöhnlich auf 6 oder 9 Jahreverleimt ; wiewohl diese gebräuchlichste Dauer von neunJahren als eine rationelle angesehen werden kann, so wärees doch für beide Tlieile der Contrahenten nützlich, einelängere Dauer festzustellen, etwa das Doppelte, um nicht aus-drücklich der Erbleihe gegen deren Einführung wir garnicht sprechen würden das Wort zu reden.

Wir sind noch zu nahe der grossen Revolution von1789, als dass man hieran ernsthaft denken könnte, wiewohlschon hie und da, selbst unter den Bauern Stimmen aberganz schüchtern laut werden.

Die Lasten und Auflagen des Grundstücks zahlt hierder Yerpächter.

Nachlässe auf die bedungenen Pachtpreise, in Folgevon Unfällen, werden vertragsmässig keine festgesetzt, könnenalso nur freiwillig gewährt werden, was aber nie geschieht.

DIE VERSCHULDUNG.

Zwar sind im Allgemeinen die hohen Güterpreise fürdie hiesige Bevölkerung kein Schaden; nachtheilig werdensie nur den jüngeren, strebsamen Leuten, welche dahintrachten, wirthschaftlich selbstständig zu werden, Grundgüterzu hohen Preisen ankaufen, oder auch noch zu hohe Hypo-theken dafür aufuehmen und in Folge dessen mehr Zinsenzahlen müssen, als das Gut trägt.