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XV. ABSCHNITT.
notwendigsten Reformen, verhindert die Umgestaltung desLandbaues, wie er in unseren wissenschaftlich vorgerücktenZeiten gehandhabt werden sollte. Hierzu fehlt dem Bauerneben das nöthige Betriebskapital; dadurch wird er ge-zwungen, nur die allcreinfuchstcn und rohesten Ackorgcrätheanzuwenden; dies verhindert ihn auch eine rationelle Vieh-zucht zu betreiben.
Iler nothwendige intensive Anbau der Fluren muss hiernur zu oft unterbleiben und nur da, wo Reben, Hopfen,Tabak, Rüben angebaut werden, da kann man sagen, dasseine höhere Technik der Landwirtschaft vorhanden sei.
In diesen Ländern sind auch alle Fortschritte derTechnik stark gehemmt, da beinahe überall die Anwendungvon verbesserten Geräthen und Maschinen unmöglich ist;dies kann da nur genossenschaftlich zuWcge gebracht wer-den. Diese Genossenschaftstendenz findet man jetzt fast inallen Gegenden und auf allen Gebieten des landwirtschaft-lichen Gewerbes. Auch die Meliorationen sind auf dem vei’-stückelten Besitze unmöglich, wenn nicht auch hierzu Ge-nossenschaften gegründet werden.
In den Ländern mit hochgradiger Besitzvertheilung be-arbeiten in der Regel die Landwirte mit eigenen Arbeits-kräften oder mit Hülfe von nach Bedürfniss herangezogenenfreien Tagelöhnern ihr Gut und halten meist wenig Gesinde.Alle statistischen Erhebungen beweisen diese Thatsache ; mandarf im Eisass sich nur einige Zeit auf dem Land aufhalten,um zu sehen, wie sehr diese Behauptung zutrifft.
Was die Tagelöhner selbst angeht, so sind sie meistenskleine Grundbesitzer, die den Taglohn als Quelle des Neben-verdienstes ansehen, um so ihre in der eigenen Wirtschaftnicht ganz in Anspruch genommenen Kräfte zu verwenden.
Bei weitem die grösste Zahl der elsässischen Tagelöhnersind Grundbesitzer und nennen ein Haus ihr Eigenthum.Nichts besitzende Tagelöhner fehlen jedoch nicht ganz; im-mer sind diese am zahlreichsten in den Dörfern, welche nichtin ganz so guten wirtschaftlichen Verhältnissen stehen, wieunsere drei Gemeinden Geberschweier, Hüttenheim und Ober-Spechbach.