Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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40 Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode.

Rechnen und Buchführen, die Vergleichung des Aufwandes mit dein Erfolg in Geldwerten,die Aufzeichnung jeder Ausgabe und jeder Einnahme ist nötig, wo sie sich einstellen undausbilden soll. Die sittliche Zucht, welche das Leben als ein geordnetes Ganzes auffaßt,niemals aus dem Stegreif, nach Launen handelt, unverhältnismäßigen Genüssen nach-geht, den Versuchungen der Verschwendung, der Putzsucht, der Eitelkeit widersteht, ist fürdie Ausbildung dieses wirtschaftlichen Sinnes das wichtigste. Er ist die wirtschaftlicheTugend der großen Masse des Volkes, vor allem des Mittelstandes. Daß die Wirtschaft-lichkeit in den untersten Klassen noch so vielfach fehlt, ist ein wichtiger Umstand für ihrewirtschaftliche Lage. Die Frauen niüssen sie vor allem haben, weil, mit haushälterischemSinne ausgegeben, der Thaler doppelt und dreifach so weit reicht. Mit dem Erwerbs-triebe verwandt, fällt sie doch nicht ganz mit ihm zusammen, noch ist sie nur eine Folgedesselben. Tausende, die gar keinen Erwerbssinn haben, zeichnen sich durch große Wirt-schaftlichkeit aus. Der Erwerbstrieb ist mehr die Eigenschaft einzelner, die Wirtschaft-lichkeit ist oder sollte die aller sein.

Die Wirtschaftlichkeit schließt den Fleiß, die Ordnungsliebe, die Geduld, die Be-harrlichkeit, vor allein aber die Sparsamkeit ein. Die Sparsamkeit beginnt in derHaushaltung, im Verbrauch; sie ist dem Wilden fremd; er ist immer der größte Ver-schwender, der den Baum fällt, um eine einzige Frucht zu ergreifen, der an einem Tagverzehrt und verjubelt, was ihn wochenlang ernähren könnte. Die Erziehung zurMäßigung, die steigende Herrschaft höherer Gefühle über die niedrigen, der Sieg derVorstellungen über künftige Genüsse und Erfolge über die des Momentes sind not-wendig, damit die Sparsamkeit beginne. Alle Sparsamkeit ist momentane Selbst-verleugnung. Wer sie üben soll, muß die Aussicht auf einen künftigen Vorteil haben.Dieser künftige Vorteil erscheint fraglich, wenn das ersparte Gut durch Willkürherrschaftoder Gewalt bedroht ist, wenn es dem Sparenden keine anderen Freuden bringt, als sieder nicht Sparende ebenfalls genießt, wenn ersparte Vorräte, z. B. solche von Lebcns-mitteln, doch rasch verderben. Die Geldwirtschaft ist daher eines der wichtigsten Beförderungs-mittel der Sparsamkeit; die Freude, einen Schatz an Geldstücken zu sammeln, wird baldein Beweggrund für viele; solche Schätze sind am leichtesten zu verbergen, sie behaltenfür Jahre und Jahrzehnte ihren Wert. Es kann nun auch der sparen, der das Er-sparte nicht in seinem Hause, im vergrößerten Viehstand, in Geräten und Linncnzcuganlegen kann. Noch wichtiger aber war die Ausbildung der Kreditwirtschaft, haupt-sächlich derjenigen Formen des Kapitalanlcgens und Zinscngebens, welche dem kleinenMann zugänglich sind, wie die Einrichtung der Sparkassen, Genossenschaften, der Ver-sicherungskassen, der Baugesellschaften. Wo derartige Institutionen zumal in Ländernmit vollständiger Rechtssicherheit allgemein werden, da kann erst die Sparsamkeit auseiner Tugend der höheren Klassen eine allgemeine Eigenschaft werden. Immer aber mußsie wieder jedeni einzelnen Kinde anerzogen werden, immer arbeiten Leichtsinn, Gedanken-losigkeit, Genußsucht ihr entgegen. In dem Alter von 153V Jahren, wo unverheirateteArbeiter am meisten sparen könnten, oft das doppelte verdienen, was sie brauchen, gebensie für Getränke und Feste, für Kleider und andere Genüsse allzuviel aus. Auch späterunterliegen sie zu leicht der Versuchung unnützer Ausgaben, wenn sie nicht von einertüchtigen Hausfrau beeinflußt werden, wenn ihre Lohnzahlung zu Stunden und anOrten erfolgt, welche Gelegenheit zu unnötigen Ausgaben bieten.

Die Sparsamkeit wächst mit der Wirtschaftlichkeit, mit dem guten Familienleben,mit dem Sinn für Besitz, für Sicherung der Zukunft, mit dem Wunfch des gesellschaft-lichen Aufsteigens; sie ist vor allem aber ein Ergebnis sittlicher Energie und Spannkraftund intellektueller Weitsichtigkeit.

Wie die Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, der Fleiß und die Arbeitsamkeit mitdem Erwerbstriebe zusammenhängen, ohne sich mit ihm zu decken, ohne eine bloße Folgedesselben zu sein, so verhalt es sich auch ähnlich mit dem Handels- und Unter-nehmungsgeist, auf den wir zuletzt einen Blick werfen.

Er entspringt mit den Möglichkeiten des Tausch- und Handelsgewinnes, nimmt indem Maße zu, als in bestimmten Klassen infolge der Arbeitsteilung und des Markt-