Die Arbeitsamkeit, der Fleiß, die Wirtschaftlichkeit.
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Ziel sein, diese Opfer zu vermindern, möglichst alle Arbeit so zu gestalten, daß sie mitTeilnahme und Verständnis, nicht bloß aus Hunger und Not geschieht.
Der Erziehungsprozcß der einzelnen, der Völker und der ganzen Menschheit zurArbeit ist trotz der modernen Kehrseiten einer mechanischen Überarbeit ein Weg nachoben; alles was zur Arbeit zwingt und veranlaßt, ist besser als das Gegenteil, alsFaulheit und Indolenz, enthält Elemente der wirtschaftlichen und der sittlichen, derkörperlichen und geistigen Schulung. Arbeit ist planvolle Thätigkeit, sie besteht in derBeherrschung der wechselnden Einfälle und Triebreize; sie ist stets ein Dienst für Zwecke,die nicht im selben Augenblick, sondern erst -künftig Gewinn, Lohn, Genuß verheißen.Jede Arbeit setzt Überwindung der Trägheit und der Zerstreutheit voraus. Der Arbeitendemuß sich selbst vergessen und sich versenken in sein Objekt; die Natur einer Arbeit, nichtseine Lust schreibt ihm Gebote vor. Der Arbeitende muß sich Zwecken unterordnen, dieer in der Schule, in der Werkstatt, im vielglicdrigen Arbeitsorganismus oft gar nicht,oftmals nicht sofort als heilsam und notwendig einsieht, er muß zunächst gehorchen undsich anstrengen lernen. Er wird freilich ein um so tüchtigerer Arbeiter, je mehr er dieZwecke begreift, billigt, je mehr es direkt oder indirekt — durch den Lohn und durchdas Gefühl, einem großen Ganzen zu dienen — feine eigenen Zwecke sind, je mehr seinKörper und sein Geist durch Vererbung und Schulung für die bestimmte Art der Arbeitgeschickt gemacht sind.
Jede mechanische Arbeit hat geistige Elemente, kann, wie die des Holzhackcrs,Mähers, Steinträgcrs, geschickt, klug, überlegt gethan werden; je künstlicher Werkzeugeund Maschinen werden, desto mehr Umsicht und Verständnis erfordert auch die mechanischeLohnarbeit. Auch die rein geistige Arbeit hat ihre mechanischen Teile, wie der Schrist-stcller, der Klavierspieler oft die Muskeln und Nerven der Arme ruiniert. Die einseitigekörperliche wie die einseitige geistige Arbeit darf nicht zu viele Stunden des Tages fort-gesetzt werden, muß mit Erholung, Schlaf und anderer Thätigkeit richtig abwechseln.Aber im rechten Maße, von den rechten Schutzmitteln gegen Gefahren umgeben, ist dieArbeit in der Regel eine Stärkung des Körpers und des Geistes. Die Arbeit giebt, wieuns die neuere Physiologie gezeigt hat, den geübten Körperteilen eine bessere physischeZusammensetzung, macht sie fester, gegen Ermüdung widerstandsfähiger, in der Bewegungunabhängiger, erregbarer. Der arbeitende Mensch, zumal der seit Generationen arbeitende,ist flinker, rühriger, entschlossener, weil er über brauchbarere Knochen, Muskeln und Nervenverfügt als der träge. Die Nervcnerregbarkeit ist die wesentliche Ursache, daß dem Kultur-menschen die stete Arbeit Bedürfnis und Freude ist. In der Arbeit lernt der Menschbeobachten und gehorchen, er lernt Ordnung und Selbstbeherrschung. Nicht umsonstverknüpft der Volksmund: Beten und Arbeiten. Nur durch die Arbeit giebt der Menfchfeinem Leben einen Inhalt, der fönst — bei Hingabe an die elementaren Triebreize —fehlt. Nur durch die Arbeit lernt der Menfch seine Kräfte kennen, feine Zeit einteilen,einen Lebensplan entwerfen. Mit der Übung wachsen die Kräfte, mit den Kräften dieArbeitsfreude und das menschliche Glück. In der Arbeit wurzelt alle sittliche Thatkraft.Nur die Individuen, Familien, Klassen und Völker, die arbeiten gelernt, erhalten sich;die, welche sich der Arbeit entwöhnen, in Arbeitseifer und Gcschicklichkeit zurückgehen,verfallen. Otium st i'öZgZ st Iisatas xsrcliclit urdss.
21. Die anderen wirtschaftlichen Tugenden. Während wir unter demFleiß die habituelle Richtung des Willens auf eine emsige Arbeitsthätigkeit verstehen,bezeichnen wir mit der schon oben <S. 3) berührten Wirtschaftlichkeit jene Eigenschaft,die sich zuerst in der Hauswirtschaft entwickelt, dann auf alle wirtschaftliche, ja überhauptin abgeleitetem Sinne aus alle äußere menschliche Thätigkeit ausgedehnt hat, jenen Sinn,der sorgsam die Mittel für einen bestimmten Zweck zu Rate hält, mit Umsicht an Kräftenund Verbrauch spart, stets daran denkt, mit den kleinsten Mitteln den größten Erfolgzu erzielen. Sie ist eine Eigenschaft, welche ebenso sehr auf genauer Kenntnis und Be-herrschung der technischen Mittel für einen Erfolg, als auf steter Aufmerkfamkeit beruht.Sie ist ein Ergebnis der Erfahrung, der Nachahmung des guten Beispiels, sie hängt mitder sittlichen Selbstbeherrschung wie mit der Verstandesausbildung zusammen. Das