112 Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode.
Reform desselben. Teutsche Nicrteljahrsschr. 1849, I.Heft. — Bruno Hildcbrand, Die National-ökonomie der Gegenwart nnd der Zuknnst. 1848. — Knies, Die politische Ökonomie vom Stand-punkt der geschichtl. Methode. 18S3, 2. Aufl. 1883. — Bruno Hildebrand , Die gegenwärtigeAufgabe der Wissenschaft der Nationalökonomie. I. f. N 1. F. 1, 1862. — W. I. Ashleh,On tilg stuäv ot' k</onoi»i<: Ilistarv. Hki'VÄril hnai'tsi'lv ^ourn. ot lileon. vol. VII, 1893. —Simmel, Die Probleme der Geschichtsphilvsophie, I. s. G.V. 1892.
Cohn, Die heutige Nationalökonomie in England und Frankreich , I. f. G.V. 1889. —Charles Gide , Ibs svonomie seb.ool8 imcl tds teaebing ot ^olitical seonomv in I< ^nes. ?ol.8e. tzuart. V, 4. 1890. — Ders., (juatik eeoles cl'sLonoinis soeisle. 1890. — D ers., Dieneuere volkswirtschaftliche Litteratur Frankreichs . I. f. G.V. 1895. — St. Marc, Nwäs snrI'enseignsmönt äe l'öeonomis rwlitia.uk clans les nnivsrsite8 cl'^.llemaZns st ä'^ntriebs. 1892.
47. Die älteren Ansänge einer empirischen Wissenschaft und dieReaktion gegen die Natur lehre der Volkswirtschaft. Wir haben imletzten Abschnitte erörtert, welche Forderungen die Methode strenger Wissenschaft heutean die Volkswirtschaftslehre stellt; wir haben nun noch kurz zu erzählen, inwieweit dieLitteratur dem genügte, wie aus der Kritik der älteren Systeme heraus und mit derfortschreitenden Einzelerkenntnis immer mehr eine eigentliche Wissenschaft der National-ökonomie entstand. Wir werden dabei nicht das aufgeblähte Selbstlob eines Engländerswiederholen, unsere Wissenschaft sei eine der jüngsten und doch eine der vollendetstenunter ihren Schwestern. Wir werden zugeben, daß wir auch heute noch recht vieles nichtwissen, und daß jedes abgeschlossene System mit Wahrscheinlichkeiten und Hypothesenoperiert. Aber andererseits sind wir allerdings in die Epoche methodisch gelehrterForschung eingetreten, und das hat seine Früchte getragen. Wir glauben nicht mehr,daß jeder Dilettant und jeder Journalist ebenso gut volkswirtschaftliche Abhandlungenschreiben könne, wie der Sachkenner und der geschulte Gelehrte. Wir haben uns seiteinigen Menschcnaltern dem großen Ziele, einen steigenden Bestand von Wahrheiten zubesitzen, die alle anerkennen müssen, erheblich genähert.
Allerdings in erster Linie in den Gebieten unseres Wissens, wobei es sich umBeobachtung, Beschreibung, Feststellung einfacherer Zusammenhänge handelt. Und dieAnfänge hiefür liegen weit zurück. Schon die Merkantilsten und Kameralisten habeneine emsige Thätigkeit in der Sammlung der Thatsachen entwickelt. Gute Schilderungen,wie die Sir William Temples von Holland, Pettys von Irland, Bechers von Deutsch-land entstanden schon im 17. Jahrhundert. In großen Sammelwerken faßte man dannim 18. Jahrhundert die Kenntnisse zusammen; es sei nur an De la Marres Iiait6äe 1a xolies (4 Fol.-Bde., 1729), an Savarys vietionimire universsl cle oommerce (5Fol.-Bde., 1759, 2. Aufl.), an die französischen Encyklopädisten oder an I. G. Krünitz, Ökonomische Encyklopädie, erinnert, welche es von —1828 auf 149 Bände kamera-listischer Vielwisserei brachte. Den beschreibenden Sammlungen von Staatsmcrkwürdig-keiten gab Achenwall (1719 — 72) den Namen Statistik. In periodisch erscheinendenSammelwerken faßten Büsching, Schlözer, Arthur Zoung derartiges Material zusammen.Letzterer ließ ausgezeichnete wirtschaftliche Reisebriefc über England, Frankreich, Spanien und Italien ( 1768 — 95) erscheinen. Ein wahrer Heißhunger nach Thatsachen undZahlen herrschte damals; freilich war man noch nicht kritisch genug, und von der um-fangreichen damaligen Verwaltungsstatistik drang wenig in die Öffentlichkeit. Höchstbedeutungsvoll aber war es, daß man mit den Resultaten der kirchlichen Buchung derGeburten, Todesfälle und Ehen sich zu beschäftigen begann. John Graunt verwertetesie zuerst in feinen Odsei-vations (1661), Sir William Pettys Buch über die Totenlistender Stadt London ( 1702 deutsch, und Levsra.1 essavs on iiolitieal aritbmetio) fetzte dieseUntersuchung sort, ebenso wie dann Halley (^n estimato ot ins äöFrkks ot mortalitz^ c>kmankinä, äi^vn trom eurious tables ot tlis diitkes ancl tunerals g.r tue oit^ ok Lreslau),Kaspar Neumann, dem Halley fein Breslauer Material lieferte, und Lcibniz, währendder von diesen Vorgängen angeregte preußische Feldprcdiger Johann Peter Süßmilch( Göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Gefchlechts, 1741 — 42,1761 , 1775) dann das ihm erreichbare Material über die Bevölkerungserscheinungenübersichtlich zusammenstellte und in einer Form bearbeitete, welche die Resultate der