Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Das Wesen der Induktion. Die Tcleologie als Rcflexionsprincip. 111

gebiete, hauptsächlich über wissenschaftliche Nachbargebiete. Die angeblich rein induktivehistorische Richtung ist es, die dies stets betont, die sich deduktiv nennende ist meistängstlich bemüht, nur fein säuberlich die wissenschaftlichen Grenzpfähle zu setzen undniemals einen Hasen ins Nachbargebiet zu verfolgen, das sie weder kennt noch kennen lernenwill. Wundt hat es neuerdings als den wesentlichsten Gegensatz der Geistes- zu denNaturwissenschaften bezeichnet, daß bei diesen eine starke Abstraktionskraft das mächtigsteWerkzeug sei, bei jenen der Erfolg vor allem von einem raschen Überblicke und reicherKombinationsfähigkeit abhänge. Das ist teils Sache der individuellen Begabung, ebensoaber Sache der wissenschaftlichen Vorbildung. Je umfassender sie ist, desto größer istdie Möglichkeit vielgliedriger kombinierter Schlüsse aus vorher feststehenden Wahrheiten.

Einzelner Hypothesen und teleologischer Sätze zur Unterstützung kausaler Schlüssebedienen sich alle Wissenschaften und alle Erkenntnisrichtungen. Wo unser kausalesErkennen nicht ausreicht, und wir doch einen Zusammenhang sicher annehmen, da führtdie ausdeutende reflektierende Auffassung, wie wir mehrsach schon betont, zur Annahmevon Zwecken der Gottheit, der Geschichte, der schaffenden Natur, und von diesen ein-heitlichen Gedanken aus suchen wir das empirisch nicht zu Erklärende wenigstens ungefährzu begreisen. Es ist ein unentbehrliches Reflexionsprincip. Die Annahme einer Einheitund eines Zusammenhanges der Welt, die allgemeinen Gründe der Entwickelungstheoriegründen sich aus solche teleologische Betrachtungen, ganz ähnlich wie die Harmonielehreder älteren Volkswirtschaft oder der focialistische Glaube an eine dauernde Hebung derunteren Klassen. An seiner Grenze mündet unser sicheres Wissen immer in unseren Glaube»und in unsere Hoffnungen. Das Ganze der letzten und wichtigsten Dinge erfassen wirallein so. Wir müssen nur dahin streben, daß dieser Glaube aus immer besserer empirischerErkenntnis sich ausbaue, immer mehr gesicherte Wissenschaft in sich schließe, niemals mitihr in Widerspruch trete, daß er nicht beeinflußt sei von Partei- und Klasseninteressen,von Vorurteilen und Leidenschaften. Davon sich frei zu machen, muß jeder Forscherstreben. Er wird dieses Ziel schwer erreichen, wenn er selbst zu aktiv an den Kämpfendes Tages teilnimmt. Wenn man geglaubt hat, der, welcher das Wohl aller im Augehabe, sei als Gelehrter gefeit gegen die Täuschungen des Klassenstandpunktes, die Vor-urteile des Tages, so liegt darin doch ein gewisser Irrtum. Jeder leidenschaftliche Tages-Politikcr glaubt heute das Wohl der Gesamtheit mit seinen einseitigen Anschauungenund Vorschlägen zu vertreten. Nicht die Formel des allgemeinen Wohles, sondern dieuniversale Bildung, der geläuterte Charakter, die geistige Freiheit von allen Tages-strömungen sührt zu jener Höhe, welche neben der gesicherten Einzelerkcnntnis die stetshalb verschwimmenden Linien der Gesamtentwickelung richtig zu erfassen gestattet.

5. Die Ausreifung der Volkswirtschaftslehre zur Wissenschaft im 19. Jahr-hundert.

Über die statistische Methode: Knies, Die Statistik als selbständige Wissenschaft. 1850.Gustav Rümelin , Zur Theorie der Statistik, Z, f. St.W. 1863; dann in: R. A, 1, 1875,mit einem Zusatz. Adolf Wagner, Die Gesetzmäßigkeit in den scheinbar willkürlichen Hand-lungen. 1864; Ders., Statistik in Bluntschli, St.W, 1867. Dro bisch, Die moralischeStatistik und die Willeusfreihcit. 1867. Knapp, Ouetelet als Theoretiker. I. f. N. 1. F. 18,1872. Jahu, Geschichte der Statistik. 1, 1884. Meitzen, Geschichte, Theorie und Technik derStatistik. 1886. Mayo-Smith, Ltatisties anä seonomies, ?ubl. ot' tlie ^.msrie. Leon,^ssoe. vol. III, no, 4 u. 5. 1888.

Über die geschichtliche Methode: Joh. Gustav Droyscn, Grundriß der Historik, 1868.3. Aufl. 1882. v. Sybel, Gesetze des historischen Wissens. 1864 (jetzt in Vortrage undAufsätze. 1874). Gustav Rümelln, Über Gesetze der Geschichte. 1878, R. A, 2, LordActon, Ksrman scliools ot bistorv. Dnglislr bist, isvis^v, 1, 1856. Ottokar Lorenz , DieGeschichtswissenschaft in Hauptrichtungen und Aufgaben. 1886. Bernhcim, Lehrbuch derhistorischen Methode. 1889. Gothein, Die Ausgaben der Kulturgeschichte. 1389. Schäfer,Geschichte und Kulturgeschichte. 1891.

Röscher, Grundriß zn Vorlesungen über die Staatswirtschast nach geschichtlicher Methode.1843; Ders., Der gegenwärtige Zustand der wissenschaftlichen Nationalökonomie und die notwendige