184
Erstes Buch. Land, Leute und Technik,
In den Jahren 1890—93 zählte man:in ganzen Staaten ^n T^ilmd« mchtd^euM Staateu uud Provinzen
Belgien
206
Schottland
51 '
Ostpreußen
53
Hessen-Nassau 63
139
Irland
56
Westpreußen
56
Brittisch-Jndien
71
Pommern
51
Württemberg 104
und Irland
124
Bengalen
182
Mecklenburg
45
Baden 110
Japan
106
Russisch-Polen
65
Schleswig-
Gr. Hessen 129
Italien
105
Finnland
7
Holstein
65
Elsaß-
Österreich
86
Russisch Central
Hannover
59
Lothringen 111.
Schweiz
71
Asien
1,6
Westfalen
120
Dänemark
55
Niederösterreich
133
Rheinland
173
Ungarn
54
Bosnien, Herze-
Schlesien
105
35
gowina
26
Posen
65
Eurvp. Rußland 17
Campanien
190
Brandenburg
103
Schweden
10
Sardinien
30
Pr. Sachsen
102
Ver. Staaten
7
Kgr. Sachsen
233
Norwegen
6
Thüringen
104
Diese wenigen Zahlen vermögen immerhin ein volles Bild der historischen Ver-dichtung und der geographisch verschiedenen Dichtigkeit, der Ursachen und Folgen desganzen Prozesses zu geben. Sie deuten an, daß dichtere Bevölkerung und höhere wirt-schaftliche, politische und geistige Kultur bis auf einen gewissen Grad Hand in Handgehen, daß ohne eine gewisse Dichtigkeit Arbeitsteilung, lebendiger Verkehr, Marktwesen,Gewerbe, städtisches Leben, gesteigerte geistige Berührung und Reibung der Menschen,Künste und Wissenschaften nicht existieren können. Aber sie zeigen doch auch, daß ent-fernt nicht die dichtestbevölkerten Gebiete und Staaten stets die reichsten, gebildetsten undmächtigsten waren, daß hohe Kultur und großer Reichtum bei 20—40 wie bei 100—200Seelen pro Geviertkilometer vorkommen, daß von der Natur begünstigte halbbarbarischeGegenden unter Umständen die dichtest besiedelten sind. Mit den modernen Verkehrsmittelnist höchster Wohlstand bei sparsamer Bevölkerung z. B. in den Kolonien, in den Ver-einigten Staaten möglich. Man verfügt hier noch über Naturkräfte in Fülle, die indicht bevölkerten Gebieten nur noch in kleinster Portion auf den einzelnen fallen.
Der historische Verdichtungsprozcß, wie er überall in Zusammenhang mit derBevölkerungszunahme angestrebt wird, hat zunächst seine natürlichen Bedingungen.Wenn im kalten Norden bei primitiver Technik aus der Geviertmeile nur 0,1, so lebenim Süden, unter den Tropen unter ähnlichen Voraussetzungen doch schon 10—600, beietwas höherer Technik Tausende; derselbe Ackerbau, der bei uns 2000, ernährt dort10 000 Seelen. Die Verschiedenheit des Bodens, der Höhe über dem Meere, der Feuch-tigkeit setzt der Menschenzahl ganz verschiedene Grenzen. Wenn in den VereinigtenStaaten bei normaler Jahreswärme auf der Geviertmeile 22 — 31 Menfchen 1890leben, so sinkt die Zahl auf 3 und 4 herab, wo es zu kalt und zu warm ist; im selbenReiche erhebt sich, wo die Regenmenge am günstigsten, d. h. 30—50 Zoll ist, die Zahlpro Geviertmcile auf 40—60, da aber, wo sie herabgeht auf 10—20 oder auf 70 Zollsteigt, trifft man auf derselben Fläche nur 1—4 Menschen. Wo der Boden sich übereine gewisse Höhe erhebt, ist die Menschenzahl immer spärlich. In Baden trifft manim Thale 227, auf den Hängen 300, bei 600 und 700 Meter Höhe noch 52, über1100 Meter nur noch 1 Menschen pro Geviertkilomcter. Im Braunschweigischen lebenin den reinen Waldgemeinden 44, in den halben Waldgemeinden 55, in den übrigenOrtschaften 84 Menschen pro Geviertkilometer; wenn man die landwirtschaftliche Flächedieses Staates nach der Bodengüte in vier Klassen teilt, so findet man auf dem bestenBoden 116, auf dem guten 107, dem mittleren 97, dem geringen 64 Menfchen proGeviertkilometer. Je jünger irgendwo die Kultur ist, desto mehr werden nur die Fluß-thäler und günstigen Seelüften, die besten Gegenden (abgesehen von schwer bebaubaren