Die natürlichen und wirtschaftlichen Schranken der Bevölkerunasverdichtnng,
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Niederungen) bewohnt, und wenn auch später nun die Waldgebiete, die Höhen und Ge-birge, die Sandflächcn und geringen Böden bebaut werden, der Verdichtungsprozeßbleibt hier ein beschränkter, wie man schon daraus sieht, daß noch heute nur 1 Prozentdes Festlandes der Erde über 8000 Seelen, nur 6 Prozent 2—8000 Seelen Pro Geviert-meile tragen, daß auf einem Siebentel der Erde drei Viertel aller Menschen wohnen.Mag vollkommenere Technik, Bewässerung und Verkehr daran noch vieles ändern, mag heuteteilweise noch Trägheit die Massen in den alten Mittelpunkten der dichten Bevölkerungfesthalten, das deuten doch die erwähnten Thatsachen an, daß die der menschlichen Kulturzugänglichsten Gebiete längst reichlich besetzt sind, daß der Trost, erst ein Drittel derErde sei angebaut, nicht sehr weit her ist. Freilich kann in Amerika, Afrika, Australien ,Asien die Bevölkerung noch um Hunderte von Millionen wachsen; Ravenstein berechnet,äußersten Falles hätten 6000 Millionen statt der jetzigen 1500 Millionen aus der Erde Platz; es mögen sogar 10—12 000 Mill. sein. Aber was setzte diese Dichtigkeit voraus?Welche Hindernisse ständen im Wege, um die großen Menschenmasscn Europas etwa indie zu bewässernde Sahara überzusühren? Außerdem wären bei 10°/o» jährlicher Zu-nahme 1500 Mill. in 140 Jahren schon be- 6000, in weiteren 70 Jahren bei 12 000angekommen.
Es ist klar, daß der Verdichtungsprozeß überall da am leichtesten sich vollzieht,wo ein Volk über ein Gebiet verfügt, das teilweise noch sparsam bebaut ist oder garnoch größere und fruchtbarere Gebiete als die besetzten umschließt. Da kann eine großeinnere Zunahme und Kolonisation bei stabiler Technik fast ohne Änderung der Sittenund Institutionen erfolgen. In dieser Lage sind heute Rußland , die Vereinigten Staaten,einzelne Teile Indiens. Wo es sich aber darum handelt, daß fast aller gute und zugänglicheBoden bebaut ist, daß große Gebiete nur etwa durch Bcwässerungs- oder andere schwierigeKulturarbeiten (in Deutschland z. B. die 4—500 Geviertmeilen Moorland) gewonnenwerden können, da ist die Verdichtung schon viel schwieriger. Und noch mehr ist sie es,wo nur eine allgemeine Veränderung der Technik, eine Vervollkommnung aller wirt-schaftlichen Kräfte und ihrer Organisation die wachsende Zahl von Menschen auf der-selben Fläche zu ernähren gestattet. Wir sind damit beim Kern der Frage.
Nehmen wir zunächst an, es handele sich nur um technische Fortschritte; auf dieübrigen ebenso wichtigen Bedingungen kommen wir gleich. In erster Linie steht dielandwirtschaftliche Technik, die uns die Nahrungsmittel liefert. Ein Volk, das bishervon der Jagd lebte, soll Viehzucht und Ackerbau lernen; ein nicht seßhaftes soll demAcker- und Gartenbau sich zuwenden; es sollen statt der extensiven die höheren intensivenlandwirtschaftlichen Betriebssysteme erlernt werden. Welche Summen von Schwierigkeitensind da zu überwinden. Schon Klima und Boden setzen, wie bereits erwähnt, den Fortschrittenverschiedene, nirgends ganz übersteigbare Grenzen entgegen; selbst die vollkommenste Technikkann im Norden nicht die Lebensmittel für 10—15 000 Menschen auf der Geviertmeileerzeugen; die intensivere Landwirtschaft liefert bei höheren Kosten von einer gewissen Grenzean abnehmende Erträge. Wenn wir die Geschichte der Landwirtschaft überblicken, so sinddie eingreifenden landwirtschaftlich-agrarischen Fortschritte die seltensten, vielgeseiertenEreignisse der Geschichte; sie haben sich schwer und langsam verbreitet; ihr Sieg hängtnicht bloß von Klima, Boden, Rasse und glücklichen Schicksalen, sondern auch vonÄnderung der Sitten, des Rechts, ja aller gesellschaftlichen Institution ab. Der Übergangvon der Dreifelderwirtschaft z. B. zum Fruchtwechsel und zur srcien Wirtschast brauchteeinige Jahrhunderte in Europa ; die ganze mittelalterliche feudale Agrarvcrfassung mitihrer Klassenbildung, ihrer Lokalverfassung, ihrem Eigentumsrecht, ihrer Grundeigentums-verteilung mußte erst fallen, ehe die höheren Betriebsformen für 3 —8000 statt für1—3000 Menschen Lebensrnittel pro Geviertmeile erzeugen konnten.
Und doch ist die wirtschaftliche Veränderung vielleicht noch nicht die schwierigste,so lange es sich nur darum handelt, in demselben Gebiete für die einheimische Bevölke-rung mehr Lebensmittel zu erzeugen. Handelt es sich dann aber um die höhere gewerb-liche, Handels- und Verkehrsentwickelung, zuerst um die Entstehung von kleinen Städten,Handwerk und lokalen Märkten, später um die Haus- und Fabrikindustrie, um Kanäle