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Erstes Buch. Land, Leute und Technik-
10 ja 5000 Jahre ist auch nur Vereinzeltes von den Hauptkulturvölkern bekannt; nurüber die letzten zwanzig Jahrhunderte haben wir umfangreichere Überlieferungen. Nochsind sie aber nicht ganz erforscht und dargestellt. Nur wenige Kapitel aus der Geschichteder Technik sind gut bearbeitet. Und nun sollen wir hier nicht sowohl das unübersehbareHeer von technischen Einzelthatsachen, die wir kennen, vorführen, sondern es zu Gesamt-resultaten nach Zeitaltern und Völkern zusammenfassen uud stets versuchen, die Ursachenund die Zusammenhänge mit dem ganzen volkswirtschaftlichen Leben darzulegen.
Man hat diese Aufgabe durch verschiedene Einteilungen in technische Perioden zuerleichtern gesucht. Man unterschied: Jagd-, Hirten-, Ackerbau-, Gewerbe-, Handels-völker; ein Stein-, Kupfer-, Bronze-, Eisenzeitalter; die Perioden der Wildheit, Barbarei,Halb- und Ganzkultur; die der Werkzeuge und der Maschinen, die Epochen der An-wendung von Menschen-, Tier-, Wind-, Wasser-, Dampfkraft und Elektricität. Aber diemeisten dieser Einteilungen sind heute als zu einseitig oder auch als ungenau und irre-führend erkannt. Und doch wird eine vorläufige historisch-geographische Einteilung nichtzu entbehren sein. Wir versuchen in einigen ersten Paragraphen je gesondert die Ent-wickelung der Werkzeuge und die der technischen Methoden der Ernährung bis zurhistorisch beglaubigten Zeit darzustellen, dann lassen wirHdie Epochen der vorderasiatischen,der europäischen Werkzengtechnik und der modernen Maschinentechnik folgen.
Zum Schlüsse dieser Vorbemerkung noch ein Wort über die allgemeinen mensch-lichen und historischen Ursachen, die alle Entwickelung der Technik beherrschen.
Wir haben (S. 42) die Entstehung des Sittlichen in Zusammenhang gebrachtmit der Thatsache , daß der Mensch Werkzeuge schuf und arbeiten lernte. Wir führtenbeides auf die Besonnenheit zurück. Nicht umsonst sagt Franklin, der Mensch sei einTier, das Werkzeuge mache; andere meinten, ein Tier, das kochen gelernt habe. Aucheinzelne höhere Tiere haben gewisse Methoden der Nahrungsfürforge und das Vorrats-fammeln durch Instinkte ausgebildet, die auf gewissen Erfahrungen beruhen mußten.Lotze sagt, auf der Feinheit unseres Tastsinnes, der in den Fingerspitzen liegt, der Be-weglichkeit unserer Arme, der Muskelkraft unserer Arme, Beine und Zähne, aber ebensoaus unserer Fähigkeit zu beobachten, Vorstellungen zu associicren, zu schließen, beruhealle technische Entwickelung des Menschen. Er drückt damit richtiger das aus, was schondie Alten meinten, wenn sie die Kultur auf den Bau der menschlichen Hand zurück-führten, oder was ein Schriftsteller andeuten wollte, der im Daumen, als dem wichtigstenFinger, den Kern der Weltgeschichte fand. E. Hermann hat den menschlichen Körperneuerdings eine reichgegliederte Maschine genannt, die selbst das Ergebnis..der Übungund Verbesserungsarbeit von Hunderttausenden von Generationen sei. Diese Übung magzuerst unter der Leitung von Instinkten erfolgt sein, hauptsächlich aber ist sie, wie allespäteren technischen Fortschritte, das Ergebnis der denkenden Überlegung, der Beobachtung,der Selbstbeherrschung, der Zielsetzung.
Wenn der Mensch, wie der Affe, einen Stein znm Öffnen einer Frucht, einenStock zum Schlagen brauchte, so hatte er noch kein Werkzeug; erst dann konnte mandavon sprechen, wenn er diesen Stein, diesen Stock stetig bei sich führte, wenn dieErinnerung an den Nutzen dieses Hülfsmittels die Unbequemlichkeit der Aufbewahrung,des Mitschleppens überwand. Damit der Urmensch den Stein schärfte, mußte er beob-achten und nachdenken. Wenn ihm dabei sein Tastsinn half, die Härte, die Beweglichkeit,die Form der Stoffe herauszufühlen, wenn er in Hand und Arm das Vorbild derWaffe und des Werkzeuges fand, so ändert das an dem geistigen Vorgange nichts.Schon die Nachahmung setzt Nachdenken und Zweckfetzen voraus: die geballte Faustwurde das Vorbild des Hammers, die Schneide desselben ahmt Nägel und Zähne, dieFeile und Säge die Zahnreihe, die Beißzange und der Schraubstock die greifende Handund das Doppclgebiß nach; der gekrümmte Finger wird zum Haken, der steife Fingermit dem Nagel zum Bohrer, die hohle Hand zur Schale; die Lanze stellt den ver-längerten Arm dar. Die Werkzeuge wie die später aus ihnen entwickelten Waffen,Apparate und Maschinen sind — hat man gesagt — menschliche Organprojektionen indie Natur hinein; aber sie entstehen nur durch innere geistige Vorgänge, die bewußt