Die Ursachen der Werkzeugschaffuna, und aller ^.echmk.
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ins äußere Leben verlegt werden, um feinere, zweckmäßigere, konzentrierterc Wirkungenzu erzielen.
Und noch mehr gilt dies, wenn der Mensch beginnt, gemeinsam, zu mehrereneine Arbeit zu verrichten, wenn er Tier-, Wind- und Wasserkraft sür sich anspannt,durch Getriebe und Räder feste, gleichmäßige Bewegungen herstellt. Auch die Maschinen,sagt Reuleaux, seien bewußte oder unbewußte Kopien des menschlichen oder tierischenKnochen- und Muskelgerüstes, Projektionen des menschlichen Denkens und des menschlichenKörpers in die Sinnenwelt hinaus.
Es ist eine einzige einheitliche Entwickelungsreihe vom ersten Hammer und Stabbis zur heutigen Dynamomaschine, die durch immer bessere Beobachtung, durch stetswiederholtes Probieren, Tasten, Versuchen, durch zahllose kleine Verbesserungen, durchimmer komplizierteres Zusammensetzen bekannter Mittel immer größere Erfolge erzielte.
Viele Entdeckungen und Fortschritte sind gewiß an verschiedenen Orten unabhängigvon einander gemacht worden. Da die Zwecke und die Mittel, die Körperkräste und dieMaße von Hand, Arm und Fuß immer die gleichen waren, so ist es wohl begreiflich,daß die Axt z> B. immer wieder dieselbe Form und Größe erhielt, daß gleiche Methodendes Haus-, Schiffs-, Ackerbaues ohne Nachahmung da und dort entstanden. Aber dajede Entdeckung ein Ergebnis besonders glücklicher Umstände und hervorragender geistigerEigenschaften ist, so wurde die Entwickelung durch die Berührung nnd Nachahmungdoch außerordentlich befördert. Und so weit wir diese im Anschluß an die uns bekanntenoder wahrscheinlich gemachten Wanderungen verfolgen können, so scheint es, als ob soziemlich alle höhere technische Kultur von Vorderasien, vielleicht von jenen mongolisch-tatarischen Völkern der Sumerier und Akkadier im Euphratthal ausgegangen sei; vonhier können diese technischen Künste durch ostwärts wandernde Mongolen nach Chinaund Amerika , nördlich zu den Jndogermanen, direkt zu den assyrifch-babylonisch-ügyptischenVölkern und endlich durch sie wie durch die westlich wandernden Jndogermanen zu derabendländischen Welt gekommen sein. Ebenso zeigt das Fehlen mancher Werkzeuge undWaffen bei Völkern nnd Rassen, die srüh in abgelegene Winkel der Erde gedrängt wurden,daß sie die technischen Erfindungen der höheren Kulturvölker nicht so leicht selbständignachholen konnten.
Eine klare und erschöpfende Erkenntnis der Ursachen, warum gewisse technischeFortschritte zu bestimmter Zeit, an bestimmtem Orte, bei dem nnd jenem Volke ent-standen, durch Praktiker oder Gelehrte herbeigeführt worden seien, warum sie sich langsamoder rasch verbreitet haben, besitzen wir heute nicht, wenigstens nicht sür alle fernereVergangenheit. Wir müssen zufrieden sein, im solgenden einiges Licht in dieses Dunkelzu bringen.
So viel aber können wir sagen: äußere Umstände, Klima, Flora und Fauna, Lebens-lage, Not, Bevölkerungszuwachs haben stets als Druck und Anstoß gewirkt. Führt dochz. B. M. Wagner die ersten großen technischen Fortschritte auf die Not der Eiszeitzurück; andere leiten das Lernen des Aufrechtgehens und Waffenbenutzens aus demKampfe mit den wilden Tieren ab. Auch daß Jahrhunderte und Jahrtausende langgewisse Stämme und Rassen aus demselben Standpunkte der Technik verharren, wirdhäufig mit der Thatsache zusanimenhängen, daß ihre äußeren Lcbensbedingungen die-selben blieben, keine Einflüsse höherstehender Völker sie erreichten. Aber der springendePunkt sür die Fortschritte wird doch immer in der geistigen Beschaffenheit der Menschenliegen. Aller technische Fortschritt kann nur das Ergebnis des Scharfsinnes, der Be-obachtung, der besonderen Findigkeit sein; auch der einfuchste Arbeiter und der Prak-tiker, welche neue Maschinenteile und Methoden erfinden, sind ausnahmsweise klugeMenschen, die mehr gelernt und mehr nachgedacht haben als andere. Kommt nundazu in gewissen Zeiten, bei gewissen begabten, aus höherer Kulturstufe stehendenVölkern oder Klassen eine durch mathematisch-naturwissenschaftliche Fortschritte, durchUnterricht gesteigerte Atmosphäre, wie seinerzeit bei den ältesten Kulturvölkern desEuphrat und des Nillandes, im ptolemäischen Zeitalter, in der Renaissancczeit, in denletzten Jahrhunderten, so werden die großen Geister in der wissenschaftlichen Natur-