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Erstes Buch, Land, Leute und Technik,
erkenntnis und die Talente der technischen Praxis sich gegenseitig in die Hände arbeiten,ohne daß man sicher scheiden kann, ob das größere Verdienst um den technischen Fort-schritt bei der Wissenschaft oder bei der Praxis sei.
77. Die ersten technischen Fortschritte; die ältesten Waffen undWerkzeuge, das Feuer und die Töpferei. Wir werden annehmen, daß esMenschen ohne Werkzeuge und Feuerbenutzung einstens gegeben habe. Gefunden hatman in historischer Zeit nie solche.
Waffen und Werkzeuge waren ursprünglich identisch, haben erst nach und nachsich differenziert. Wir haben ihre Entstehung schon besprochen. Wir verstehen untereiner Waffe und einem Werkzeuge ein dem Menschen zum Kampf oder zur Arbeitdienendes äußeres Hülfsmittel bestimmter Gestaltung aus Holz, Knochen, Stein oderMetall, welches zufällig in passender Form gefunden, in der Regel vom Menschenabsichtlich hergestellt wurde, und nun durch die ein- für allemal gethane Arbeit derErfindung alle künftige Wirksamkeit der menschlichen Glieder verstärkte, erleichterte,konzentrierte. Die Herstellung von solchen erschöpft nicht die älteren technischen Fort-schritte ; allerlei Methoden z. B. der Nahrungsfürsorge, das Früchtesuchen und -Schonen,die Feucrbewahrung und anderes bedurften zunächst keines Werkzeuges zur Durchführung.Aber auch diese Fortschritte wurden, wie alle Bekämpfung der Feinde und alle Arbeit,doch meist bald durch irgend welche äußere Veranstaltung, wie die Feuerbenutzung durchden Herdbau, die Vorratsammlung durch Töpfe und Tierbälge erleichtert.
Holzstücke, besonders in Stabform, gewisse Knochen größerer und kleinerer Tiere,einzelne Schilfarten und Steine hat der Mensch zuerst als Werkzeug benutzt. Der Stabdiente als Stütze beim Marsch, als Waffe gegen Tier und Feind, als Hebel, als Hülfezum Lastentragen, als Gerüst für die erste Hütte, als Grabstück zum Wurzelsuchen; amFeuer gespitzt wurde er zum Spieß, an einer Seite verstärkt zur Keule, durch Einsetzungvon Fischzähnen zur Lanze. Der rohe Stein diente zum Werfen, später zur Schleuder-Waffe; in bestimmter Form zum Öffnen von Schalen, zum Stoßen und Hämmern. Inder Bearbeitung passender Steine, Geweihe, Holzstücke und Knochen und ihrer Ver-bindung lag unendliche Zeiträume hindurch der technische Fortschritt. Durch Schleifen,Polieren, Meißeln, Durchbohren der Steine gelang es, schmälere und breitere, glatteund dicke, kürzere und längere Steine herzustellen, sie zu Messern, Beilen, Meißeln,Hämmern, Schabinstrumenten und Mahlsteinen, Lanzen- und Pfeilspitzen zu gestalten.Die Untersuchung dieser Steinbearbeitung bildet einen Hauptteil der vorgeschichtlichenForschungen. Die Benutzung der Steinwerkzeuge und Waffen (neben den metallischen)reicht bis tief in die historischen Zeiten hinein, zumal im Norden; nach Rougemont inDeutschland bis ins 6.-7., in Irland bis ins 8. und 9., in Schottland bis ins 13.,in Böhmen bis ins 14. Jahrhundert. Die ungeschiedenen Arier werden wesentlich nurStein- und Holzwerkzeuge neben wenigen Stücken aus Kupfer oder Erz besessen haben.Ähnlich die Psahlbauer der Schweiz 8000—4000 v. Chr. Die niedrigsten Völker habensie heute noch ; Australien, die Südseeinseln, ein großer Teil Amerikas besaßen nichtsanderes bei ihrer Entdeckung. Die Afrikaner freilich sind, seit wir sie kennen, fast alleschon im Besitze von Eisen gewesen.
Mit verbesserten Steinwaffen und -Werkzeugen lernte der Mensch sich besser gegenFeinde und Tiere verteidigen und schützen; er fügte zu den Angriffs- die Schutzwaffen,er baute Wälle und Hütten, richtete sich in Höhlen ein, verstand Tausende von starkenPfählen ins Wafser einzurammen, sie zu geschützten Pfahlbaudörsern zu benutzen. Indemer die Jagdmethoden durch sie verbesserte, kam er wenigstens etwas mehr über die Gefahrdes Verhungerns hinweg. Vor allem haben die verbesserten Fischfangmethoden, dieersten ausgehöhlten, als Schisse dienenden Baumstämme, die Netze und Harpunen ihmdas Leben am Wasser erleichtert. Man hat gesagt, die Fischnahrung und das Feuerhätten dem Menschen erst gestattet, sich etwas weiter über die Erde zu verbreiten. —
Ob der Mensch das Feuer erst als Abbild der Lichtgottheiten verehrt (wie L. Geigermeint) oder gleich seinen Nutzen erfaßt habe, wollen wir dahingestellt sein lassen.Jedenfalls steht die Feuerverehrung, das Priestertum und die Magie bei vielen Rassen