Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Die Technik des 13.17. Jahrhunderts. Mühlenwcsen und Eisenbercitung. 209

wühlen scheinen ebenfalls in diese Epochen zu fallen. Anschaulich schildert uns W. Arnold,wie Klöster und Städte für den Wassermühlenbau damals thätig waren. Die Erfindungder Holzsägemühlen setzt Beck in den Anfang des 14. Jahrhunderts, ihre Verbreitungins folgende.

Ebenso wichtig war aber die Verwendung der Wasserkrast im 14. und

15. Jahrhundert für den Bergbau; sie mußte ihn wie die ganze Metallurgie nachund nach umgestalten. Die Entstehung der durch Wasser getriebenen Pochwerke zumZerkleinern der Erze an Stelle des Zcrstoßens in Mörsern, die Bewegung des Blase-balges am Erzschmelzherde, der nun eine ganz andere Hitze erzeugte, die Hebung desüberflüssigen Wassers im Bergwerke und die Bewegung der viel größer werdendenHämmer durch die Kraft des Wasserrades, das waren die großen technischen Errungen-schaften, welche hauptsächlich dem 15. und 16. Jahrhunderte und Deutschland angehörten.Die Blüte des deutschen Bergbaues und der deutschen Eisengewerbe war ebenso dieFolge wie die gleich zu besprechende Arbeitsteilung und Betriebsvergrößerung der Berg,und Hüttenwerke. Das Ausziehen des Drahtes an Stelle des Hämmerns gehört dem14. Jahrhundert an und führt bald auch zur Benutzung der Wasserkrast; die Papier -und die Ölmühlen folgten demnächst. Da mehr und mehr alle erheblichen gewerblichenAnstalten die Wasserkraft benutzten, so konnte dann in England der Gebrauch entstehen,sie alle alsMühlen " zu bezeichnen.

Die älteste, unvollkommenste Eisenherstellung durch Schmelzen der Erze,welche je nach der Güte 2075 "/« Eisengehalt haben, und durch nachträgliches Häm-mern und Ausschweißen in weiteren Feuern haben wir oben kennen gelernt. Die Ösendes Altertums und älteren Mittelaltcrs haben wir uns als offene Herdscuer, 12 Fußtief, 23 Fuß im Quadrat, zu denken; noch Ende des vorigen Jahrhunderts traf mansolche in Spanien, im Meiningschen, in der Oberpfalz ; sie gaben je in ein paar StundenEisenluppen von einigen bis 1520 Kilogramm. Dem gegenüber waren gemauertesogenannte Stückösen 68 Fuß hoch, welche in 810 Stunden Luppen von einigenCentnern mit erheblicher Kohlenersparung und einer viel höheren Ausbringung des Eisen-gehaltes aus den Erzen lieferten, ein erheblicher Fortschritt. Sie sollen in Steicrmark schonim frühen Mittclalter bestanden haben, verbreiteten sich im späteren und erhielten sichbis über 1300 in manchen europäischen Kulturländern <z. B. in Schmalkalden bis1847). Aus der Vergrößerung der Stücköfen gingen im 15. und 16. Jahrhundert inSteiermark und anderen deutschen Gegenden die ersten sogenannten Hochösen, 1218 Fußhoch, am Boden 2V2', dann am sogenannten Kohlensack 4' 2" und oben an der Gichtl'/s' weit, hervor. Die nun statt von Menschen und Tieren mit Wasser bewegten ver-größerten Blasebälge gaben eine größere Hitze, das festere Mauerwerk hielt sie besserzusammen: man erhielt viel größere Luppen und daneben zum erstenmale flüssiges Roh-eisen, was bisher überhaupt nicht herzustellen war. Es ist spröder und härter, hat mehrKohlenbeimischung (1,8 5°/c>) als das Schmiedeeisen und der Stahl. Einzelne dergroßen Öfen stellten bald nur noch Roheisen her, das dann auf Lösch- und Frischherdcnentkohlt, d. h. in Stahl- und Schmiedeeisen umgewandelt wurde; andere erzeugten ab-laufendes Roheisen und Luppen nebeneinander; die erstere Methode führte fchon im

16. Jahrhundert zu unterbrochenen Prozefsen von 825 Wochen. Das indirekt ausGußeisen durch den Frischprozeß hergestellte Schmiedeeisen war gleichmäßiger und besserals das alte, aus den Luppen der Stückösen erhämmerte. Andererseits taugten fürbestimmte Zwecke die Gußwaren besser: für Öfen, Ambosse, Kugeln, Kanonen, Kochtöpfefand das Gußeisen eine steigende Anwendung.

Die Eisenverwendung nahm zu, und die Eisenschmelz- und Verarbeitungsgewerbeveränderten ihren Standort, ihre Organisation; die Teilung der Arbeitsprozesse wurdeeine andere. Die älteste Einheit des kleinen, irgendwo im Walde angesiedelten Eisenerz-schmclzers, der zugleich als Schmied sein Rohprodukt verarbeitete, war zwar längst auf-gelöst, aber noch waren die meisten Schmelzhütten klein und im Walde der Holz-kohlen wegen zerstreut. Mit der Möglichkeit, durch Wasserkraft mehr und billigeresEisen herzustellen, entstanden größere Schmelzen an den Wassergefällen und Thalrändern.

Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre, I, 14