Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Mutterrecht und Murtergruppen,

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Hier sprechen wir zunächst von den Muttergruppcn, ihrer Wirtschaft, ihrer Stellung,ihrem Rechte.

Die Wohnweise der älteren Völker überhaupt haben wir uns so zu denken, daßdie Menschen in so kleinen Hütten lebten, daß, auch wo Einehe mit Vatergewalt vor-handen war, Mann und Frau häufig besondere Hütten hatten, wie sie auch vielfacheine Art getrennter Wirtschaft führten, nur in einzelnem sich halfen. Derartiges ist nunauch zur Zeit des Mutterrechtes vorauszusetzen; die Sippen wohnten zusammen, meistmindestens zwei, ost mehr Sippen in nächster Nähe, im selben Dorfe. Wo nun die Hüttenetwas größer und besser wurden, da konnten leicht die Kinder, ja die Kindeskinder derMutter bei ihr in der Hütte bleiben, jedenfalls in Nachbarhütten untergebracht werden,während die den anderen Sippen angehörigen Ehemänner bei ihrer Mutter, bei ihrerSippe wohnen blieben, ohne daß das den Geschlechtsverkehr, das Helfen bei der Arbeithemmte, da auch diese Hütten nur wenig weiter entfernt waren. Als der große baulicheFortschritt bei vielen dieser Stämme eintrat, der Bau von Holzhäusern, in denen 40,60, 100 und mehr Personen Platz hatten, da war die Anordnung vielfach die, daß man diejungen Männer oder alle Männer nach Sippen und Altersklassen in eines und danebendie Weiber mit ihren Kindern in ein anderes verwies; oft aber auch fo, daß die Sippen,d. h. die von einer Stammmutter abstammenden Männer und Frauen oder Teile der-selben sich ein sogenanntes Langhaus mit Abteilungen für die einzelnen Mütter nebstihren Kindern und mit solchen sür die Männer herstellten. Die Sitten konnten sich dabeisehr verschieden gestalten: junge Ehemänner wohnten oft die ersten Jahre der Ehe oderauch länger in der Hütte der Frau, im Langhaus ihrer Sippe. Ost wohnte auch dieFrau beim Manne, kehrte aber stets bei Krankheit und Kindbett, im Falle des Todesdes Mannes mit ihren Kindern zur Muttersippe zurück. Oft durften auch die Ehe-männer ihre Frauen nur regelmäßig in ihren Hütten, in ihrem Gemach des Langhaufesbesuchen. Eine gewisse getrennte Wirtschaft von Ehemann und Ehefrau erhielt sich, wiesie schon vorher vielfach existiert hatte. Die Frau gab dem Manne vom Erträgnisihrer Felder, er ihr von seiner Jagd etwas ab. Im übrigen lebten beide bei ihrenGeschwistern, ihren Müttern, ihrer Sippe.

Die Frau sührte mit ihren Kindern eine Art Sonderhaushalt, wobei ihre Brüdereinerseits, ihr Ehemann andererseits zu ihr in Beziehung standen, ihr da und dort halfenund von ihr unterstützt wurden. Die Beziehungen der Frau zu ihrem Manne konntendauernde und ausschließliche sein; ost waren sie es nicht; oft hatte der Mann Be-ziehungen zu mehreren Frauen in verschiedenen Sippen; die Dauer der Säugezeit warmeist noch eine viele Jahre lange; vielfach war in dieser Zeit den Frauen der Geschlechts-verkehr untersagt wie auch den Männern längere Zeit, ehe sie aus den Kriegspfad sichbegaben. Bei manchen Stämmen war den Kriegern jahrelang der, dieser Thätigkeit,wie man glaubte ungünstige, Geschlechtsverkehr verboten.

Eine Familie in unserem Sinne gab es nicht. Mann und Frau lebten nichtdauernd zusammen; die Kinder sahen nicht im Vater, sondern in dem stets anwesendenMutterbruder die Respektsperson, der sie gehorchten, die sie beerbten. Mann und Frauerzogen ihre Kinder nicht gemeinsam; die sittigenden Einflüsse des Elternhauses, desAhnenkultus, der patriarchalischen Familie fehlten, wie die Fortsetzung der Traditionendurch Generationen hindurch. Der Vater sparte und sammelte nicht für seine Kinder.Die Muttergruppe hatte eine mehr vorübergehende Existenz: nur so lange die Kinderklein waren, bestand sie, dann löste sie sich wieder auf; ihre Glieder traten in dieSippe zurück. Alle geistige und materielle Überlieferung mußte viel schwächer sein.

Es war eine Familienverfassung, welche aus dem heiligsten und tiefsten Gesühle,aus der Mutterliebe, aufgebaut war, diese Grundlage aller sympathischen Gefühle aus-bildete, verstärkte, auch die Geschwisterliebe pflegte, die Blutseinheit der mütterlichenVerwandten zu lebendigem Gefühl und Ausdruck brachte; in dem mütterlichen Haushalt,seinem Herde, seiner Vorratssammlung lag der Kern des späteren Familienhaushaltes.Aber es waren doch Zustände und Einrichtungen, welche eine höhere wirtschaftliche,politische, psychische und religiöse Entwickelung nicht förderten, weniger individuelle