Die städtischen Wirtschaftsinstitutionen und der städtische Hauc'halt.
297
„Der Stadt gemein Gut" bestand ursprünglich wie im Dorfe, aus Allmendeu,Weiden , Wäldern, Wegen, Fischwassern, öffentlichen Plätzen. Teilweise hatte in ältererZeit der Stadtherr die Hand darauf gelegt; er hatte ursprünglich auch teilweise dieStadtmauern, das Kaufhaus und Ähnliches gebaut; aber später sehen wir dieseu großen,alles städtische Leben beherrschenden Grundbesitz, wie die Allmende, die Mauern, dieThore, das Kaufhaus, meist auch die Kirchen in der Hand der Stadt oder des Ratesselbst. Der Rat muß jetzt auch für die Verteidigung durch Wall und Graben, durchdie Wachttürme an der Landwehr sorgen und nimmt dazu die Geld- und persönlichenKräfte der Stadt in Anspruch. Wie im Altertume ist der „Stadt Bau" lange diewichtigste Ausgabe.
Zunächst hatte der Stadtrat in den alten Gewohnheiten der örtlichen Genossen-schaft die beste Stütze für eine billige Verwaltung. Wie das Patriciat im Stadtratcohne Bezahlung der Stadt diente, so mußte der Bürger Kriegsreisen und Nachtwachenthun, seinen Harnisch, die Reichen ihre Pferde für den Kriegsfall halten, bei Feuers-und Wassersnot unentgeltliche Hülfe leisten, auch Baudienste für Unterhalt der Straßen,der Mauern thun, in allen möglichen lokalen Amtern ohne Entschädigung dienen. Undwenn da und dort schon Gebühren und Entschädigungen bezahlt wurden, wenn die Dienste,je komplizierter die Stadtverwaltung wurde, desto häufiger als nicht ausreichend, alsunzukömmlich sich erwiesen, die ganze, in der Stadt weiter als im Dorfe ausgebildete,unbezahlte persönliche Naturaldienstverfassung hatte das Gute, in jedem Bürger dieEinsicht in die Notwendigkeiten des Gemeindelebens und den Gemcinsinn zu steigern.
Und während dieses billige System nun noch in voller Wirksamkeit war, ermög-lichte der zunächst auf die Städte beschränkte Geld- und Kreditverkehr eine neue Art, dieGcsamtintcrcssen mächtig zu sördern, Diener und Kriegslcute zu besolden. Beiträge anNaturalien und Geld für den König oder Stadtherrn, Wohl hauptsächlich als Ersatz fürpersönliche, besonders sür Kriegsdienste, bestanden in den deutschen Städten, ehe diestädtischen Räte diese Abgaben dann im 12. und 13. Jahrhundert für sich erhoben undzu städtischen Vermögenssteuern weiterbildeten. Als diese nicht mehr ausreichten, kamendie Ungelder aus Wein, Bier und Mehl, die Gebühren sür Benutzung der städtischenEinrichtungen hinzu, verdrängten teilweise die Vermögenssteuern, die nur in Jahrenaußerordentlichen Bedürfnisses noch erhoben wurden. Und so sehr mit dem Durchdrungendieser Geldsteuerwirtschast die Städte leistungsfähiger wurden, die Ausgaben von Jahrzu Jahr waren doch so ungleichmäßig, daß nur die Städte, deren Ansehen groß genugwar, um Schulden machen zu können, sich den Weg zu immer höherer Machtstellungoffen hielten. Vom 13. Jahrhundert an bis ins 16. entwickelt sich dieser städtischeKredit so, daß jeder in der Stadt, der überflüssiges Kapital hat, es der Stadt anbietet,die es gegen Leibrenten oder Ewigzins annimmt, damit große Barvorräte sammelt, oftsolche, die eine Jahreseinnahme übersteigen. Mit diesen großen Barvorräten wurde derRat aber auch zu großen politischen Aktionen, Kriegen, Bündnissen, Bauten, zum Er-werbe von Dörfern und Herrschaften in ganz anderer Weise als früher befähigt.Die früher mäßige Vermögensverwaltung steigerte sich dadurch da und dort außer-ordentlich: der Besitz der Dörfer und Herrschaften, die große Krcditvcrwaltung, derstädtische Bau-, Ziegel-, Kalkhof mit seinen Pferden und Personal, von wo aus dieErrichtung und Unterhaltung der Kirchen, Schulen, Rathäuser, Straßen, Brücken,Brunnen, Quais, Kaufhäuser, Mühlen, Kranken- und Schlachthäuser besorgt wurde,gaben schon genug zu thun. Und dazu kamen nun noch die städtischen Getreidespeicherund Zeughäuser, die Beschaffung von Kanonen und Waffen. Wenn es nötig schien,nahm der Rat den Salz- und den Weinverkauf in die Hand. Kurz, die Ausdehnungder wirtschaftlichen Thätigkeit des Rates war eine sehr große.
Natürlich wuchsen auch entsprechend die Mißbräuche, die Klagen der Bürgerschaftüber teure Kriegsreisen und Gesandtschaften, über die Schmausercien und die Freigebig-keit des Rates, der wertvolle Geschenke an Freunde und Mitglieder machte, über dieSteuern und das Schuldenmachen, über schlechte Verwaltung des Getreidespeichers, überfalsche Maßnahmen der Wirtschaftspolitik. Die Verschuldung der Stadt war seit dem