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Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft.
diese Regeln, und sind die Ansprüche sehr groß, so endigt das System in einemerdrückenden Despotismus, der jede Freiheit und Selbstbestimmung vernichtet, jedenwirtschaftlichen Fortschritt hemmt. Daraus entspringt entweder eine Auflösung' der altenVerfassung, welche dem Staate seine Macht und Stelluug nimmt; kriegerische Seestaaten,die den Übergang von der Schiffsgestellung zu einer königlichen Flotte nicht machenkonnten, sind dadurch ebenso einer Schwächung für Generationen verfallen wie Lehus-staaten, deren Ritter den Dienst versagten; oder es entsteht, wenn man mit Zwangs-mitteln an den alten Einrichtungen festhält, eine Stagnation alles wirtschaftlichenLebens. Wo die Regierungen das einsahen, wo die wirtschaftliche Lage es erlaubte, wodie Regierung über Domäncnbesitz, Regalien, Steuern verfügte, wo die fortschreitendeAusbildung des privaten Wirtschafts- und Verkchrslcbens in Stadt und Land esermöglichte, da haben kluge Fürsten und Staatsmänner darnach gestrebt, an Stelledieser Verfassung Mittel zur freien Verfügung zu sammeln, um, unabhängig von derüberlebten schwerfälligen Dienst- und Naturalabgabenverfassung, wie eine große, unab-hängige Privatwirtschaft handeln zu können; mit solchen Mitteln, am leichtesten mitGeld, konnte man energischer, schneller, unabhängiger Leute werben, Krieg führen, Schiffeund Fcstuugen bauen, nach allen Seiten hin handeln. Und die Bevölkerung kam demüberall entgegen. Die Krieger, die von ihrer Hufe Kriegsdienste thun, die Bauern, dieAcker-, Bau- und Fuhrsronden leiste», die den Zehnten und andere Teile der Ernteabgeben, die Kaufleute, die ihre Schiffe dem Staate stellen und auf dem Markte einenTeil ihrer Waren an den Fiskus abtreten sollten, sie fühlten ja längst den unerträglichenDruck dieser Lasten, sie suchten sich in dem Maße, wie sie Überschüsse erzielten und Geldsammelten, diesen Eingriffen in ihre Wirtschaft durch Geldzahlungen zu entziehen. DieRegierung giug, wenn sie konnte, gern daraus ein: sie hatte den Ärmeren und denRittern, die in den Krieg zogen, ja ohnedies schon Sold, Waffen und Verpflegung zureichen begonnen; sie hatte angefangen, die niederen Beamten zu bezahlen, die Bautenan bezahlte Unternehmer zu vergeben. Durch eine gute Ordnung des Münzwesens,durch Beförderung des Verkehrs, des Handels, der Geldwirtschaft erwächst so den Privat-wirtschaften wie der Finanzwirtschaft eine Fülle neuer und größerer Kräfte; beide könnennun freier, eigentümlicher, lebendiger sich nebeneinander entwickeln, die Geldsteuer wartrotz aller Schwierigkeit leichter als die Naturalsteuer umzulegen. Es kommt eine langehistorische Epoche, in welcher die Gemeinwesen mit einer auf Geldeinnähmen und Gcld-ausgabeu, auf ein Geldsteuersystem basierten Finanzwirtschaft den altväterlichen, rohenGemeinwesen mit naturaler Dienst- und Abgabenverfassung unendlich überlegen sind, siein Abhängigkeit von sich bringen.
Da diese Umbildung aber zunächst nur den begünstigtsten Staaten gelingt, jeden-falls Jahrhunderte dauert, so ist der andere Ausweg zunächst der leichtere. Die Regierungverschafft sich einen großen Grundbesitz, über dessen naturalen Ertrag, über dessen spätereGeldrente sie frei verfügt, ohne in die übrigen Privatwirtschaften eingreifen, ein aus-gebildetes Steuersystem entwickeln zu müssen.
Sehr viele der älteren Gemeinwesen bauten ihre Finanzen auf einem solchen Besitzedes Herrschers oder der Volksgemcinde auf. Das römische Ararium hat in der Zeitder Republik wesentlich von dem in den Vogteilanden für dasselbe eingezogenen a,Asrpublious gelebt; im Mittelalter beruht fast alle stärkere Staatsgewalt auf der Größedes königlichen oder fürstlichen Kammergutes, die gute oder schlechte Finanz auf seinerguten oder schlechten Verwaltung; die meisten Fürsten haben aber, durch die Not desAugenblickes gedrängt, gegen 1500 ihr Kammergut bereits stückweise verkauft, verpfändet,verschleudert. Es waren nur die fähigsten und tüchtigsten, die es in den folgendenJahrhunderten wieder von Schulden befreiten, es den Pfandinhabcrn, meist dem Adel,in langen Kämpfen wieder abnahmen, es durch Kauf und Einziehung des Kirchengutesvergrößerten, es durch Verpachtung der Landgüter, durch bessere Forst-, Berg- undSalinenverwaltung höher auszunutzen verstanden. Die finanzielle Größe Sullys, Colberts,einiger dänischer und schwedischer Könige, der preußischen Finanzverwaltung von 1640bis 1806 beruhte wesentlich mit hieraus. Wenn dann nach 1800 die großen Kriege