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Zweites Buch, Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft,
ist. Der öffentliche Haushalt bietet das Werkzeug, die Stadt, das Territorium, denStaat durch die Zoll- und Handelspolitik in richtige Beziehung zu den Nachbargebietenund anderen Volkswirtschaften zu bringen; davon wird im letzten Buche näher die Redesein. Von den übrigen großen, bisher nicht behandelten Wirtschaftsinstitutionen derneueren Zeit (z. B. vom Maß- und Gewichtswescn, Münzwesen, Kreditwesen, Bank-politik :c.) wird weiterhin im einzelnen zu handeln sein. Das Wichtigste, was wirhier festzuhalten haben, ist die principielle Frage nach den Zwecken der öffentlichenHaushalte und der öffentlichen Anstalten, da wir im bisherigen mehr die Mittel derersteren erörtert haben. Und unter den Zwecken von Staat und Gemeinde stehen fürunS die primären voran, nicht die sekundären, welche bloß um der Einnahmen willenverfolgt werden. Die Frage spitzt sich darauf zu, welche Ursachen den Gebietskörperschaftenden einen Teil der wirtschaftlichen oder wirtschaftliche Mittel erfordernden Funktionen,den privatwirtschaftlichen Organen, Familie und Unternehmung, den anderen zugewiesenhaben. Wir werden ein letztes Wort darüber erst nach Untersuchung der Unternehmungsagen können; hier aber muß das Wichtigste zur Charakterisierung der wirtschaftlichenRolle von Staat und Gemeinde beigefügt werden.
Das ursprüngliche Wirtschaftsleben ist auf Ernährung, Kleidung, Wohnung,Herrichtung gewöhnlicher Werkzeuge, einfache Dienstleistungen gerichtet; alles Derartigebesorgt am einfachsten und billigsten das Individuum, die Familie, die Unternehmung,welche Produkte oder Dienste für andere auf dem Markte nach dem Princip von Leistungund Gegenleistung mit Gewinnabsicht verkauft. Wenn nun mit steigender Kultur undzunehmender Bildung größerer socialer Körper ein Teil der Befriedigung menschlicher Be-dürfnisse auf die öffentlichen Haushalte und Anstalten, ein anderer aber nicht übergegangenist, so muß die Ursache darin liegen, daß von den gesteigerten und differenzierten Be-dürfnissen ein Teil, der ältere, einfachere, natürlichere, im ganzen doch besser durch dieprivatwirtschaftlichen, ein anderer, der spätere, höhere, kompliziertere, besser durch die öffent-lichen Organe befriedigt wird. Zu jenen Bedürfnissen gehören alle die, welche jeder ohneweiteres fühlt, die im Gesichtskreise jedes Alltagsmenschen liegen, deren Befricdigungs-mittcl in der Familie und auf dem Markte jeder kennt und durchschnittlich richtigbeurteilen kann; es ist heute so noch der größere Teil aller gewöhnlichen wirtschaftlichenBedürfnisse, sür welche Familie und Unternehmung Besseres und Billigeres leistet; schonum ihrer einsacheren Organisation willen sind sie vorzuziehen. In dem Maße aber, als diehöheren, feineren Bedürfnisse wachsen, als es sich um größere sociale Körper, ihre Ein-richtungen und Wirkungen, die nicht jeder begreift und übersieht, handelt, als vielerleiBedürfnisbefriedigung durch die Arbeitsteilung, die socialen Klassenkämpfe, die komplizierteEinkommensverteilung schwieriger, von vielen Mittelursachen abhängiger wird, als es sichum ein dichteres Wohnen, um eine höhere, sür die Massen oft unverständliche Technikhandelt, als für die Bedürfnisse der Zukunft schon heute gesorgt, als für die Gesamt-heit der nationalen Existenz, der Volksbildung und Volksgesundhcit gehandelt werdenmuß, für welche dem Alltagsmenschen in seinem Egoismus Las Verständnis fehlt, —da versagt die Privatwirtschaft, da muß die Gemeinschaft in ihrer Rechts- und Macht-organisation oder es müssen, wenn sie unfähig ist, stellvertretend Vereine und Korpo-rationen eintreten, welche das gemeine Wohl, seine Bedürfnisse und Zwecke verstehen. Wirwerden fo sagen können, die zunehmende wirtschaftliche Thätigkeit der öffentlichen Organesei das Ergebnis der höheren geistigen, moralischen und technischen Kultur überhaupt, deszunehmenden Sinnes für die zeitlich und örtlich auseinander liegenden Zwecke, sei dieFolge der wachsenden Vergesellschaftung und komplizierteren Staats- und Gesellschasts-verfassung. Wir werden sreilich gleich hinzufügen: diefe Bedürfnisse zu erkennen undzu befriedigen, sei viel schwerer, sei, wie wir sahen, nicht zu ermöglichen ohne gesell-schaftliche Apparate, welche Mißbrauch, Irrtum, große Kosten, Freiheitsverluste, despotischeVergewaltigungen in sich schließen. Also werde die Verfolgung dieser Zwecke durchStaat und Gemeinde immer nur dann überwiegend von Segen sein, wenn es gelingt,über diese Schwierigkeiten einigermaßen Herr zu werden. Gelingt es nicht, so wirdman teils die Zwecke wieder sallen lassen müssen, teils sie Vereinen oder auch der