Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Die Entstehung einer Arbeiterklasse. Die Sklaverei.

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a) Sklaven. Die Wurzeln der Sklaverei liegen, wie erwähnt, in der herrschaft-lichen Familicnverfassung. Wo bisher der Kannibalismus geherrscht, d. h. wo manjeden Stammfremdcn als rechtlos betrachtet, ihn getötet und verzehrt hatte, da war esein großer Fortschritt der Menschlichkeit und der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit, wennman den Gefangenen nicht mehr tötete oder den Göttern opferte. Wie man Frau undKinder damals als verkäufliches Eigentum in der Regel betrachtete, so begann manebenso die erbeuteten oder erkausten Knechte und Mägde zu behandeln; man schonte sie,um sie zur Arbeit zu gebrauchen; man sah in ihnen nur die Arbeitskräfte, aber inähnlicher Schätzung standen auch die Weiber und Kinder. Gewisse Fortschritte in derFamilienverfassung und in der Technik, welche folgsame Arbeitskräste als wünschenswerterscheinen ließen, mußten vorhanden sein, um die Sklaverei entstehen zu lassen. Meistnur Hirten- und Ackerbaustämmc (neben wenigen hochstehenden Fischern) und meist nurkriegerische haben die Institution ausgebildet; sie wurde für lange Zeiträume die großemechanische Arbeitsschule der Menschheit. Da sie in der älteren Zeit sast regelmäßig nurdurch Krieg und Beutezüge entsteht, so sind es die schwächeren, weniger gut organisierten,weniger klugen Stämme und Rassen, welche ihr unterliegen. In dieser Rassendifferenzsah man im Altertume und bis in die neuere Zeit ihre Rechtfertigung: wie das Kind,so hieß es, bedars der niedriger stehende Erwachsene der herrschaftlichen Leitung undZuchtrute, des Zwanges zur Arbeit; er ist zur mechanischen Arbeit brauchbarer als zurgeistigen. Er läßt sich Leitung und Herrschaft nicht nur gefallen, er liebt seinen Herrn,giebt sich ihm in Treue und Gehorsam völlig hin.

Der Sklave ist Eigentum des Herrn; er wird von ihm unterhalten und mußdiejenigen Leistungen verrichten, die ihm befohlen werden; das sind bei einzelnen auchhöhere Arbeiten aller Art, bei den meisten aber handelt es sich um die mühevollenmechanischen Dienstleistungen in Haus und Hof, in Wald und Acker, später im Berg-werke, auf den Schiffen, in den Handwerken und Fabriken. Die Sklaverei erzeugt sonicht sowohl einen bestimmten Beruf, als in aller Thätigkeit die Scheidung zwischender leitenden und befehlenden und der mechanischen, aussührenden Arbeit. Der Sklaveist das unterste Glied der Hauswirtschaft; die bisher den Frauen zugemuteten schwerstenArbeiten werden nun ihm auferlegt; er hat keine eigene Wirtschaft, meist keine Familie;auch wenn die Sklaven massenweise erbeutet wurden, hat man sie einzeln dem König,den Häuptlingen, einem Tempel, einzelnen Familienvätern zugewiesen.

Ihre Rechtsstellung ist ursprünglich mit der Familienverfasfung gegeben; sie sindnicht gänzlich rechtlos, so lange sie als Familienglieder behandelt werden. Noch heuteheiraten in Afrika viele Sklaven die Töchter ihrer Herren; der Islam hat stets eineSklavenbehandlung angestrebt, die mit der Freilassung endigt. Aber wo der Familien-sklave übergeht in den Plantagen- und Bergwerkssklaven, wo der Sklave nicht mehr inpersönlicher Berührung mit dem Herrn steht, nicht mehr in der Familie mit dem Herrnlebt, wo er von ihm nur noch als eine Erwerbsquelle angesehen wird, wo an Stelledes Krieges der Sklavenhandel und die eigene Sklavenzüchterei die Hauptquelle derSklaverei wird, wo ein hartes Schuldrecht die eigenen Volksgenossen der Sklavereiausliefert, da entsteht jenes unbarmherzige, harte Sklavenrecht, das im Bewußtsein derGegenwart häufig als dessen einzige Form erscheint. Es war eine Institution, die sichda notwendig zeigte, wo mit einfacher Technik große, riesenhafte Leistungen nötig waren;nur mit harter Disciplin und unbarmherziger Behandlung ließen sich wohlgeschulteArbeitercompagnicn aus den meist auf tiesster Stufe stehenden Rassenclementen herstellen.Die Verschärfung des Sklavenrechtes war vielfach die Voraussetzung, Großes und technischBesseres als bisher zu leisten. Aber dieses verschärfte Sklavenrecht vergiftete mit seinenFolgen ebenso das Familienleben der Sklaven, wie das Verhältnis zum Herrn; esführte ganz entmenschlichte Verhältnisse, barbarische Mißhandlungen der oft gefesseltenSklaven herbei. Die Unternehmungen, die ganze Gesellschaft wurde durch die zunehmendenReibungen und Kämpse gelähmt, kam an den Abgrund unhaltbarer, sich immer weitervergiftender gesellschaftlicher Zustände.

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