Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Die Schattenseiten der Arbeitsteilung, ihre Beseitigung.

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wird der Reichtum an Talenten grenzenlos überschätzt. Eine solche Einrichtung bedeuteteeinen ungeheuren Kräfteverlust, die Nichtausnutzung aller eigentümlichen Begabungenund Talente, die mittelmäßige Arbeit aller und die Vernichtung der größten Lust-gefühle, die mit der Thätigkeit im rechten Specialberus gegeben sind. Die Gesellschaftwäre in einen Taubenschlag verwandelt.

Aber einen berechtigten Keim enthalten diese Vorschläge, wie alle socialistischenund individualistischen Anklagen gegen die Arbeitsteilung. Vor allem unsere Erziehungmuß nicht bloß die Specialgeschicklichkeit, sondern auch beim Arbeiter seinen Verstand,sein technisches Können im allgemeinen ausbilden; er wird dann auch leichter, wenn esnötig ist, von einem Beruf zum anderen übergehen können, ohne daß damit dieArbeitsteilung aufhört.

Der heutige Fabrikarbeiter muß die entsprechende Zeit für seine Familicnwirtschaftund seine Muße erhalten; ebenso muß die verheiratete Arbeiterfrau mehr als bisherihrer Wirtschaft, ihre Kinder müssen der Schule und dem Spielplatz zurückgegeben werden;die mechanische Arbeit für andere, für fremde Zwecke darf in der Jugend nicht zu frühbeginnen, im Alter nicht zu lange dauern; sie muß möglichst so gestaltet werden, daßder Arbeiter sie als gesellschaftlichen Zweck, als sociale Pflicht begreift, Freude undVerständnis für sie haben kann; sie muß durch genügenden Lohn, durch die Möglichkeit,an Sparkassen, Kranken- und anderen Hülsskassen teilzunehmen, als ein gleichberechtigtesGlied im Gesamtorganismus der Volkswirtschaft anerkannt sein. Sie muß in derErziehung, in der Schul- und Wehrpflicht, in der Geselligkeit, im Vereinswesen, in derTeilnahme an Gemeinde-, Kirchen- und öffentlichen Angelegenheiten die entsprechendenGegengewichte erhalten. Dann wird die Arbeitsteilung nicht mehr von den Socialistenals der Meuchelmord des Volkes angegriffen werden können. Und so weit wir voneinem Ideal dieser Art noch entfernt sind, die Erkenntnis, daß die Grenzüberschrcitungender Arbeitsteilung rückgängig gemacht werden müssen, ist heute eine ziemlich verbreitete.Man könnte sagen, ein großer Teil der besten Reformen unserer Zeit, allgemeine Schul,und Wehrpflicht, lokale Selbstverwaltung, unbezahlte Ehrenämter, Geschworenenthätigkeit,Einführung von Vertretungen neben den Beamten in Gemeinde und Staat seienReaktionen gegen ein Übermaß der Arbeitsteilung, Versuche, die harmonische Aus-bildung mit ihr ins Gleichgewicht zu bringen.

5. Das Wesen des Eigentums und die Grnndzüge seiner Verteilung.

Die rechtsphilosophische Litteratur (S. 48), die socialistische (S. 9399), die socialreformatorischeund wirtschaftsgeschichtliche (S, 116123, z. B. Maine, Schaffte, A, Waguer), die anthropo-logische (S. 139), die kulturgeschichtlich-technische (S. 187), die siedluugsgcfchichtliche (S. 2S4), endlichdie Litteratur über Dorf- und Grundhcrrschaft, Gemeinde- und Staatswirtschast (S. 277278) wieder-holen wir hier nicht, so vielfach sie auch in einzelnen Teilen Hieher gehört, einzelne Seiten desEigeutumsproblcms erörtert. Es ist somit hier nur einiges nachzutragen.

Allgemeines: Thiers, I>rovrietk. Deutsch 1848. Leist, Über die Natur des Eigentums.1859. Samter, Gesellschaftliches und Privateigentum. 1877; Ders., Das Eigentum in seinersocialen Bedeutung. 1879. Dargun , Ursprung und Entwickelungsgeschichte des Eigentums. Z. f.vergl. Rechtsw. 6. R. Hildebrand, Recht und Sitte aus den verschiedenen Kulturstufen. 1, 1896.

Altertum: B. Hildebrand, Die fociale Frage der Verteilung des Grundeigentums im klassischenAltertum. I. f. N. 1. F. 12, 1869. M. Weber, Die römische Agrargeschichtc. 1891.

Geschichte der neueren Eigentnmsvertcilnng: Laboulayc, Listoirs än äroit äs propiiöt^loncivrs vn Oceiclent, 1839. ^^«terns ot' lainl tenuiss in v-u'ious eonntrieg. (Lobtlen Llub)1870. Clifse Leslie, I^anä svsteins an<1 inäusti-ial seonoroz' ol IrelÄncl, Diiglanä uncl eon-tinontÄl eount.i'is8, 1870. Liebknecht, Zur Grund- und Bodenfragc. 2, Aufl. 1876.v. Miaskowski, Das Erbrecht und die Grundeigentumsvcrteilung. 2 Bde. 18821884.Scrutton, Lornmon« antl eowinon kelcls. 1887. Hasbach, Die englischen Landarbeiter unddie Einhegungen. 1894. Nachsah!, Zur Geschichte des Grundeigentums' I. f. N. 3. F. 19, 1900.

123. Begriff und Bedeutung. Das Eigentum primitiver Jäger-und H ackb au st ä m m e. Wenn wir vom Eigentum und vom Eigentumsrecht sprechenwollen, so müssen wir uns zunächst alles dessen erinnern, was oben (S. 5155) über