Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
Seite
431
Einzelbild herunterladen
 

Die Voraussetzungen und Ursachen des Großbetriebes.

431

mäßigen oder hausindustriellen Werkstätten geschaffen, hatte den ersteren auf dem Landeeinzelne größere Betriebe mit Sklaven und Hörigen angehängt. Aber erst die neuereMaschinentechnik, gestützt auf die neue Verkehrstechnik, schuf für einen steigenden Teildes privaten wirtschaftlichen Lebens den Großbetrieb. Seine Begründer verfügten überso viel Kapital und Kredit, daß sie die für einen einheitlichen Geschäftszwcck nötigenKraft- und Arbeitsmaschinen direkt nebeneinander stellen, den Arbeitsprozeß in die ent-sprechenden Stationen zerlegen und doch richtig aneinander fügen konnten. DieMaschinenanwcndung wird häufig um so billiger, je größer der Betrieb ist. Der Klein-betrieb kann oft die mechanische Kraft, selten die teueren Arbeitsmaschinen sich verschaffen.Der heutige Großbetrieb kann sich immer mehr auf einzelne Waren und Gefchäftespecialisieren und damit unendlich viel an Arbeit, an Vorbereitungskosten, Maschinensparen gegenüber dem kleinen Geschäft, das vielerlei produziert. Er kann daneben ananderer passender Stelle verschiedene Arbeitsprozesse kombinieren, die in einer HandFeuerung, Transportkosten und kaufmännische Spesen ersparen, die Arbeitsprozesseerleichtern, Abfälle und Nebenprodukte besser zur Verwertung bringen, den ruhigengleichmäßigen Gang des Geschäftes, die Versorgung mit Halbstoffen erleichtern. Jeweiter freilich die Mechanisierung des Arbeitsprozesses, ihre Begründung auf eineSumme großer teuerer Maschinen geht, desto mehr fetzt das einen gesicherten Absatz fürlängere Zeiträume voraus, in welchen die großen Kosten sich erst amortisieren. Allewirtschaftliche Produktion, aller Verkehr und Handel im Großen ist so für Jahre fest-gelegt, kann sich nicht wie die Hauswirtschaft, das Handwerk, die Hausindustrie stetigdem wechselnden Bedarf anpassen.

s) So weit früher größere Organisationen in Familie, Gemeinde und Staat,auch in Landwirtschaft und Gewerbe entstanden, hat man sie nur mit Sklaven undHörigen zustande gebracht, weil sie als herrschaftliche Gebilde so viel leichter gelingenwie als genossenschaftliche, weil sie den Befehl eines Höherstehenden, die Ausführungdurch Gehorchende voraussetzen. Die Entstehung des neueren privatwirtschaftlichenGroßbetriebes fiel zusammen mit dem Sieg der persönlichen Freiheit, aber auch miteiner althergebrachten weitgehenden Klassendifferenzierung. Daß er in den Händengleichstehender Genossen unendliche Schwierigkeit bietet, zeigt heute noch jede Produktiv-genossenschaft, in der man selten den rechten Leiter, ebenso selten den rechten Gehorsambei den übrigen Genossen findet. Aus den Kreisen der Kleinbürger, der Handwerker,der Bauern konnte der neue Großbetrieb nicht hervorgehen; er konnte nur entstehen,wenn die zur Leitung Befähigten in einer besitzlosen Arbeiterschaft die mechanifch aus-führenden Hülfskräfte fanden, sie disciplinierten, ihre Arbeit zerlegten und wieder richtigkombinierten. Die größten Fortschritte der Arbeitsteilung konnten mit ihren Folgennur so durchgeführt werden. Diesen Neuerungen widerstrebten nun aber die Arbeits-kräfte meist ebenso, wie der straffen Disciplin, der Ordnung, dem Mechanismus, ohneden der größere Betrieb nicht bestehen kann; nur wen die Not trieb, wer sonst keineExistenz fand, ging als Lohnarbeiter auf den Gutshof und in die Fabrik. Aber daes doch im ganzen viele solcher Kräfte gab, während die Zahl der fähigen Leitergering war, so ergab sich als sociale Struktur der großen Unternehmung eben diein der Hauptsache heute noch vorhandene- ein Unternehmer, der auf seine Gefahr dasGeschäft ins Leben ruft, Gewinne macht oder alles verliert, jedenfalls den mittlerenund höheren Schichten der Gesellschaft angehört oder in sie eintritt, und unter seinerLeitung die von ihm engagierten, meist den untersten Klassen angehörigen Arbeiter; sieerhalten sicher ihren sesten Lohn, ob das Geschäft einen Gewinn abwirft oder nicht;derselbe ist nur für eine kleine Elite reichlich, für eine größere Zahl auskömmlich, fürviele kärglich; und die geringeren Arbeiter riskieren immer, bei ungünstiger Konjunkturbrotlos zu werden.

Das Rechtsverhältnis, welches die innere fociale Struktur des Großbetriebesneuerdings beherrscht, hauptsächlich der freie kündbare Arbeitsvertrag, entspricht densocialen Verhältnissen, den überlieferten Sitten und Rechtsinstituten, dem praktischenBedürfnis. Es ruht auf sehr einfachen, sicher wirkenden Motiven und einfacheren Rechts-