Teil eines Werkes 
1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Entstehung
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Beurteilung und Würdigung der Kartelle.

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Erinnern wir uns zugleich, wie neben den Kartellen weitere Teile der volkswirt-schaftlichen Organe unter eine freiwillige, aber fehr stark wirkende centralistische Leitungkommen: die Genossenschaften stehen unter der technischen, kaufmännischen und kredit-mächtigen Kontrolle ihrer Verbände und Centralkassen. Das ganze Kreditsystem übtin steigender Weise über alle Unternehmungen eine Kontrolle aus; man bucht bei allenKreditorganen die guten und schlechten Eigenschaften jedes Geschäftsmannes und erteiltdarnach Kredit- Jedes untere Kreditorgan kommt so in wachsende Abhängigkeit vonden höheren, die zuletzt in den großen Centralkreditanstalten sich zusammenfassen. DasVerkehrssystem centralisiert sich nicht minder und schreibt durch seine Tarife und Be-dingungen jedem Geschäft vor, bis wohin es seine Waren bringen kann. Außerdemerinnern wir an die oben (S. 319J21) geschilderte starke Zunähme der wirtschaftlichenFunktionen von Gemeinde und Staat.

So wird sich nicht leugnen lassen, daß auch durch das privatwirtschaftliche Ge-triebe wie durch die ganze Volkswirtschaft heute ein centralistischer Zug geht; nichtwillkürliche Staatsinteressen schaffen ihn, sondern die Geschäftswelt selbst drängt dahin.Nicht plumpe Reglementierung greift Platz, fondern eine Anpassung und Fügung gegen-über kollektiven Organen findet statt, die über größere Talente und größere Erfahrungverfügen, auf höherer Warte stehen. Die wirtschaftliche Freiheit verschwindet damitnicht, aber an gewissen Stellen macht sie allerdings der richtigen Leitung und Vorschriftvon oben Platz. Nicht das Kapital hat diese centralistischen Organe erzeugt, fonderndie fähigsten Geschäftsleute und Staatsmänner bauen sie auf, allerdings mit Hülfe desKapitals und der neuen Technik, aber ebenso und noch mehr mit moralisch-politischenEigenschaften und Faktoren und unter dem Beisall der Massen, hauptsächlich derArbeiter. Was so entsteht, hebt nicht den Stand der privaten Unternehmer auf,sondern differenziert und gliedert ihn, giebt seinen Spitzen, seinen genialsten kaufmännischenund technischen Talenten eine größere Macht und vermindert so die Fehlgriffe derProduktion und des Handels, die nie ganz zu vermeiden sind. Eine Volkswirtschaftohne Kartelle produziert nicht anarchisch, eine solche mit Kartellen nicht mit kommu-nistischer Centralisation; der Gegensatz ist nur der, daß für die Voraussicht und denÜberblick, der auch vorher auf dem Markt nicht ganz fehlte, an einigen Stellen bessere,einheitlichere und einflußreichere Vertreter durch die Kartelle entstehen.

147. Schlußergebnis. Gesamtbild der gesellschaftlichen Ver-fassung der Volkswirtschaft, speciell des Unternehmungswesens. Dieheutige Volkswirtschaft beruht auf dem Zusammenwirken der Familie, der Unternehmung,der Gemeinde und des Staates. Es sind drei Gruppen von Organen, welche alle dreinach innen gegliederte Einheiten mit einer gewissen friedlich harmonisierten Verfassung,nach außen egoistische Körper mit besonderen Interessen darstellen. Nur ruht dieharmonisierte innere Verfassung bei der Familie überwiegend auf Sympathie, Verwandt-schaft und Liebe, bei der Gebietskörperschaft auf Nachbarschaft, Staatsgefühl, Recht undZwang, bei der Unternehmung auf privatrechtlichen Verträgen, welche dem Erwcrbstriebrelativ freien Spielraum lassen. Die Familienwirtschaft will ihre Glieder menschlichmit wirtschaftlichen Gütern versorgen; aber auch ein großer Teil des Produktions-prozesses, besonders des. landwirtschaftlichen und des kleingcwerblichen, ruht noch aufihr; sie hat nicht diefelbcn, aber doch auch gewisse Gewinnabsichten, wie die Unter-nehmung. Diese hat einen steigenden Teil der Warenproduktion und des Handelsübernommen und führt diese Aufgabe, wesentlich durch Gewinn ab sichten gelockt, in ihrenBetrieben durch, welche ihre Waren auf den Markt unter dem Spiel konkurrierender Kräfteliefern. Man wirft ihr vor, sie vergesse über den Gewinnabsichten alle Pflichten gegen-über den Arbeitern, den Konsumenten, der übrigen Gesellschaft; sie diene dem Feind wiedem Freund, verlause Scheren, die nicht schneiden, und Kleider, die nicht wärmen,wenn sie nur damit gewinne. Es ist wahr, daß sie in den Dienst der Gesamtheit nurauf dem Umweg des egoistischen Gewinnes tritt, daß dieser auch zu vielem Mißbrauchverleite. Aber 1. bleiben die Unternehmer durch Moral, Sitte und Recht beherrschteMenschen, so viel sie im einzelnen auch durch Habsucht iehlen mögen, und 2. ist der