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1 (1900) Begriff : psychologische und sittliche Grundlage ; Literatur und Methode ; Land, Leute und Technik ; die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
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, Die Teilung der wirtschaftlichen Funktionen zwischen Familie, Staat.uud Unternehmung. 455

ist stets gewachsen; der Volkswirtschaft des 19. Jahrhunderts gab sie die Signatur.Wenn ihre Groß- und Riesenbetriebe sich der Gemeinde und dem Staate genähert haben,so geschah dies mehr in der äußerlichen Verfassung, in der Behandlung der dienendenKräfte, teilweise auch in dem Monopol, das viele erlangen; es erscheint nur erträglich inPrivathänden, wenn die Anstalten große Pflichten übernehmen, einen erheblichen Gewinn-anteil an die Gesamtheit abgeben. In der sreien Bewegung, in der Möglichkeit, ohnezu viel Zwang, Rechtsschablonc, parlamentarische Streitigkeit zu Verfahren, in der Not-wendigkeit, kaufmännisch sich dem Angebot, dem Markte anzupassen, bleibt die Aktien-gesellschaft und das Kartell vom Staatsbetrieb verschieden und ihm überlegen. Für allekleinen Unternehmungen, sür die gewöhnliche landwirtschaftliche und gewerbliche Güter-produktion, die gewöhnlichen Handelsgeschäfte wäre die Kommunalisierung und Ver-staatlichung eine verteuernde Absurdität, eine künstliche Erzeugung von Reibung, vonSchwerfälligkeit, von Umwegen, wie wir schon oben (S. 321324) sahen-

So Vieles sich also in der gesellschaflichen Verfassung der Volkswirtschaft in denletzten Jahrzehnten geändert hat, so sehr, wie wir eben sahen, durch ihre komplizierterenTeile ein Zug der Centralisation geht, so wenig spricht die Wahrscheinlichkeit dafür,daß in absehbaren Zeiten eine ganz socialistische oder kommunistische Verfassung siegenwerde. Gewiß, die socialistischen Einzelzüge werden da und dort noch wachsen, und werdas nicht begreift, sollte heute weder als Minister, noch als Parlamentarier weiter eineRolle spielen, aber ebenso sicher werden die verschiedenen wirtschaftlichen Aufgabenimmer verschiedene Organisationsprincipicn erzeugen, und das Resultat wird nicht einecentralistische Riesenwirtschaft des Staates, sondern das komplizierte Nebeneinander-bestehen und Zusammenwirken verschiedener Organe, verschiedener Motive, verschiedenerInstitution seien.

Nur schablonenhafter Doktrinarismus kann es überraschend oder gar widerspruchs-voll finden, daß heute neben Staatsbahn, Staatspost und Staatstelegraphen großeprivate Kartelle und Aktienbetriebc, neben zahlreichen kommunalen Wirtschastsbetriebendie Einzelgeschäfte und die Genossenschaften, neben Großindustrie und Fabrik Haus-industrie und Handwerk, neben den großen Gutsbetrieben die Bauern- und Parzellenwirt-schaften stehen, daß sich neben der Produktion sür den Markt in breiter Weise die Eigen-wirtschaft, neben kostenloser Darreichung einzelner Leistungen die überwiegende Bezahlungder Waren und Leistungen erhält. Jede Form und Art des wirtschaftlichen Lebenshat ihre Bedingungen und Voraussetzungen und erhält sich, wo letztere vorhanden sind.Der Großbetrieb, das Kartell, der Staatsbetrieb ist an manchen Stellen dem Klein-betrieb, dem Privatgeschäft sehr weit überlegen, aber produziert an anderen teurer undnicht besser. Alle höheren Formen der wirtschaftlichen Organisation haben zu ihrergedeihlichen Wirksamkeit höhere psychologische und institutionelle Voraussetzungen, sodaß schon deshalb die Entwickelung derselben nur eine langsame, von Rückschlägenbegleitete, in gewissen festen Grenzen sich bewegende sein muß.

Wirtschaften heißt, die äußeren materiellen Mittel für unsere Existenz beschaffen.Der einzelne Mensch that es einstens allein, und zwar auf die direkteste Weise undim Augenblicke des Bedarfs- Alle höhere Kultur besteht darin, die Mittel gemeinsam,gesicherter, aus indirekte Weise und so im voraus zu beschaffen, daß die Menschen nichtNot leiden. Alle höhere Technik, alle Anwendung früherer Mittel (des Kapitals) beider Beschaffung hat dies im Auge. Für viele Jahrtausende war die Wirtschaft unddie Technik der Familie und ihre Vorratshaltung das beste und fast das einzigeMittel, um reichlich und nachhaltig die Bedürfnisse zu befriedigen. Aber das Organreichte doch nicht ganz aus, die Wechselfälle der Natur zu beschwören, die Bedürfnisseder größeren differenzierten Gesellschaften zu befriedigen. Die Gebietskörperschaftenund ihre Spitzen waren fernsichtiger, reicher, kräftiger; sie konnten zuerst Heer-, Gerichts-wesen und Verwaltung, dann auch eine Summe rein wirtschaftlicher Aufgaben über-nehmen, aber sie erlahmten doch bald wieder auf letzterem Gebiete, weil die führendenSpitzen sich zu viel aufgeladen hatten, weil ihre Organe den meisten wirtschaftlichenBedürfnissen zu fern standen und sie nur mit allzugroßem Auswand und Mißbräuchen