Druckschrift 
Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

IV. KAPITEL.

18

sticker eine fremde Person zur Fädlerin hat, dass er alsogewissermassen als Arbeitgeber dastellt, der einen Preis-druck überwälzen könnte, und schliesslich die freilich nurhie und da gewährte Freiheit, dass er den Rohstoff, dasGarn, einkaufen kann, wo er will.

Sehen wir einmal zu, welchen Einfluss diese That-sachen in Wirklichkeit haben.

Wie schon früher ausgeführt, ist weitaus die Mehr-zahl der Maschinen Eigentum der Arbeiter, während derkleinere, immerhin nicht unbedeutende Teil der Maschinenvon dem Sticker gepachtet ist.

Der Erwerb der Maschine datiert meist aus der Ent-wicklungsperiode der Industrie, aus den 70er und den ersten80 er Jahren, aus der guten, von grösseren Krisen nichtnachhaltig unterbrochenen Zeit. Damals, wo die Nach-frage nach Stickereien das Angebot fast fortdauernd über-stieg, da war allerdings der Besitz des Werkzeugs ein Vor-teil, da konnte der Arbeiter noch die Preise stellen und andem Unternehmergewinn, von dem er jetzt nichts mehrweiss, partizipieren. Dieses Plus, was der Einzelstickernach Abzug aller Spesen gegenüber dem Fabriksticker hatte,betrug nach Wartmann um die Mitte der 70 er Jahre noch7 Cents per 100 Stich, oder ich rechne niedrig fr. 1.40per Tag. Trotzdem nun infolge dieser Verhältnisse der Er-werb der Maschine keine Verschuldung hervorgerufen hat hie und da kommt sie natürlich vor, der Stickeralso in dieser Beziehung unter nicht ungünstigen Bedingungenarbeitet, so ist heutzutage doch dieser Besitz von keinemVorteil, wohl aber meiner Ansicht nach oft von nachteiligenFolgen begleitet. Und wie es jetzt ist, so wird es in allerZukunft sein. Denn jene günstigen Zeiten fallen in dieEntwicklungsjahre der Industrie, wo die Schweiz neben demviel unbedeutenderen Sachsen eine Monopolstellung einnahm,wo der Sticker einen Seltenheitswert besass und der Marktwillig den Preis zahlte, den man in St. Gallen diktierte.Heute aber stehen gegenüber der Mitte der 70 er Jahre inder Schweiz fast das Doppelte der Maschinen, Sachsen istmächtiger geworden, in Österreich, Frankreich und Amerika