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Die Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse der Einzelsticker in der Nordostschweiz und Vorarlberg / von Alfred Swaine
Entstehung
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DER EINZEDSTICKEK ALS M ASCII INKNI5ESITZEK U. S. W. 49

wird unser Industriezweig gepflegt, allenthalben sehen wireine entwickelte Schutzzollpolitik, und die Mode begünstigtdie Stickereien nicht mehr wie früher. Falls nicht einegrosse Zahl der in diesem Gewerbe Beschäftigten dasselbeaufgiebt, so ist. selbst wenn sich die Mode unserer Industriewieder geneigt zeigen sollte, nicht daran zu denken, dassder selbständige, eigenes Werkzeug besitzende Arbeiterwieder einen Einfluss auf die Preise gewinnen kann. Undauch dann, wenn diese starke Reduktion an Arbeitskräftenstattfände, wäre das noch fraglich. Denn die Sticker, dieder Industrie den Rücken gekehrt, würden eine Reserve-armee bilden, die bei einer nennenswerten Steigerung derLöhne sofort bereit zur Rückkehr in den früheren Berufwäre, eben dadurch aber sogleich den Lohn wieder zumSinken brächte.

Wie aber die Verhältnisse in der Gegenwart liegen,wo seit mehreren Jahren Arbeitsmangel herrscht, der imallgemeinen den selbständigen Hausindustriellen eher trifftals den unselbständigen Heimarbeiter oder den Fabrik-sticker, da erscheint der Besitz der Maschine eher vonNachteil als von Nutzen. Dass sie ihren Eigentümer andie Scholle fesselt, will ich kaum erwähnen, denn dies wirdbei der angeborenen und durch äussere Verhältnisse nochgenährten Sesshaftigkeit der in Frage kommenden Gesell-schaftsschicht nicht oder nur wenig empfunden. Wohl aberfällt ins Gewicht, dass der Arbeiter, wenn anders er richtigrechnet, Zins für Lokal und Maschine in Anschlag bringenmuss, sowie dass letztere, auch wenn sie still steht, einigerPflege bedarf. Dies sind unrentable Ausgaben, die sich injetziger Zeit bei vielen Stickern nur zu oft wiederholen.

Trotzdem ist nicht zu verkennen, dass der Hausindu-strielle einen solchen Besitz erstrebt. Er ist dann eben we-nigstens seiner Einbildung nach sein eigener Herr, undseine Freude als Hausbesitzer, der er meistens ist, wird nichtdadurch getrübt, dass etwas in seinen vier Pfählen steht, wasnicht sein Eigentum ist. Dieser Wunsch, im Hause unum-schränkter Gebieter zu sein, ist so stark, dass der Stickermit der Befriedigung desselben das in der Maschine fest-

Swaine, Die ArbeitsvcrhültnUse der KinzeUtieker in der Schweiz. 4