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V. KAPITEL.
an, dessen Decke etwa 80 cm über der Erde, der Bodenaber etwas mehr als 1 m unter derselben lag. Die Fensterreichten von knapp unter der Decke bis fast auf die Erd-oberfläche und vermochten in ihrer geringen Höhe von 50bis 60 cm den Kaum nur spärlich zu erhellen.
Als der Hausindustrielle den Webstuhl mit der Stick-maschine vertauschte, war es ja, wenn auch nicht geradedas Natürlichste, so doch das Einfachste, wenn er den bisjetzt benutzten Raum beibehielt. Die Länge und Breitereichten mit einigem guten Willen aus, die nötige Höhewurde durch ein tieferes Ausgraben und Unterbauen derMauer gewonnen. Hie und da that man noch sein Mög-lichstes und hob, so fern der Boden vor dem Haus anstieg,noch etwas Erde ausserhalb der Mauern aus, um die Fensteretwas vergrössern zu können, aber das war schon eine Aus-nahme. 1 So zog die Stickmaschine in einen feuchten unfreund-lichen Kaum, dessen schwarze Wände von dem spärlichhereinfallenden Licht zum Ueberfluss noch einen grossen Teilabsorbieren.
Ganz anders die glücklicherweise häufigeren Arbeits-stätten, bei deren Erbauung man gleich auf ihren ZweckRücksicht nahm. Entweder sind sie in das Haus eingefügt,oder als besonderer Anbau, dem der sonst gebräuchlicheerste Stock fehlt, an ersteres angelehnt und direkt mit ihmverbunden. Aus Holz gebaut, die Aussenwände gedecktmit den landesüblichen, halbkreisförmigen Tannenbrettchen,die als gute Wärmehalter gepriesen werden, machen siemit ihren grossen und zahlreichen Fenstern, die den Zweckdes Lokals schon von weitem erkennen lassen, den Eindruckeines eben so angenehmen als praktischen Arbeitsraumes.Wohlhabenheit und Freude am Schönen haben sie oft zueinem wahren Schmuckkästlein gestaltet. Es wirkt hier-bei allerdings fördernd mit, dass der Betrieb der Stick-maschine keine grossen Verunreinigungen im Gefolge hat.Durch das Abschneiden der Fäden entsteht ja etwas Staub,
1 Der Gesamtraum der Fenster ist in diesen Webkellern im bestenFall halb so gross wie in den guten Sticklokalen.