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Die Lage der Hausweber im Weilerthal / von Karl Kaerger
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LANDWIIITJiSCHAFT UND VlEÖZUCH'f.

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Dorfe -verschieden ist, und zwar im Allgemeinen je nach derFruchtbarkeit des Bodens und der Wohlhabenheit der Ge-meindegenossen. In den gutsituirten Gemeinden ist dasEinheitsmass der Acker zu 40 ar, der in 4 Yierzel von 10 arzerfällt. Weniger wohlhabende Gemeinden rechnen denAcker zu 32 ar, und das Yierzel demgemäss zu 8 ar.

In den wälschen Gemeinden und in Meisengott da-gegen rechnet man nach Sestern, frz. boisseau, Patois Sest,und dieser wird meist zu 5 ar angenommen. Der Harnerührt daher, dass eine Fläche, auf welche man einen Sester(20 1) Korn aussäen kann, darnach selbst Sester genannt wird.

Dass die im Canton erzeugten Früchte nicht im Standesind, die dortige Bevölkerung zu ernähren, wurde bereits aus-einandergesetzt. Der Import von Korn, welcher hierdurchnothwendig wird, findet meist in Form von Mehl statt, wel-ches die Bäcker aus den Mühlen zu Sand, Schlettstadt , LaChapelle und anderswoher beziehen. Nur in einzelnen Ge-meinden des vorderen Weilerthales kommt es hin und wiedervor, dass Leute Brot in Kestenholz zum Wiederverkauf auf-kaufen.

Die Yerwerthung des selbstgewonnenen Korns geschiehtnur selten durch Yerkauf desselben an Kornhändler. Meisten-teils verbrauchen die Leute ihre Frucht für sich. Nachder Ernte sucht Jeder sobald wie möglich sein Korn in Mehlzu verwandeln. Da nun im ganzen Thal nur 9 Mühlen sind,und diese gerade im Herbst, besonders nach sehr trockenenSommern, mangels des nötigen Wassers bei Weitem nichtden an sie gestellten Anforderungen gewachsen sind, sobleibt den Leuten nichts anderes übrig, als zum Bäcker zugehen, und von diesem entweder Mehl oder gar Brot gegenihr Korn einzutauschen. Nach Ansicht eines sehr verstän-digen Müllers in Steige, dessen die verschiedensten gewerb-lichen Anlagen enthaltendes Etablissement ich besuchte, undder mir über die einschlägigen Verhältnisse sehr gute Aus-kunft gab, verlieren die Leute durch dieses Tauschgeschäftungefähr den Werth der Kleie, was auf den Sack (200 1)2,50 bis 3 fr. ausmacht. Die Bäcker ihrerseits lassen dasKorn nicht auf eigene Rechnung mahlen, sondern tauschen

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