ANDERE GEWERBE.
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Solcher Pfriemenbesen kann man 2—3 Dutzend am Tagefertig bringen. Diese werden entweder auf Hotten gepacktoder in Handkarren etwa zu 15 Dutzend geladen und nachWeiler, Schlettstadt und in die Yogesendörfer des Oberlandesgeführt, wo sie nicht auf dem Markt, denn das würde dasStandgeld nicht lohnen, sondern in den Häusern zu 1 Soudas Stück abgesetzt werden. Im Weilerthal selbst ist, ab-gesehen von der Stadt Weiler, der Absatz nicht gross, weilhier Jedermann die einfache Manipulation mit dem kosten-losen Material lieber selbst vornimmt.
Ausser diesen vier Specialgewerbebetrieben, welche dievier Hauptprodukte der Weilerthaler Wälder: das Laubholz,das Nadelholz, die Kesten und die Pfriemen ausbeuten, habeich noch einige, inehr versteckte gewerbliche Beschäftigungenaufgespürt, von denen ich die Korbmacher erwähnen will.
Es sind deren zwei: einer in Gereuth und einer in Neu-kircb. Die beiden unterscheiden sich so, dass der in St. Moritz auf eigene Rechnung, der Gereuther nur auf Bestellung ar-beitet. Ihm bringen die Leute ihre eigenen Weiden, undbezahlen ihm für das Flechten eines Erdäpfelkorbes 5 Sou,wenn er aus ungeschälten, 7—8 Sou, wenn er aus geschältenWeiden , die mehr Arbeit erfordern, gefertigt werden soll.An einem Tag kann der Mann 2 — 3 Körbe zu Stande bringen.Der St. Moritzer Korbmacher kauft seine Weiden selbst, undzwar in der Rheinebene. Hier bezahlt er die rothen, soge-nannten wälschen Weiden mit 1,80 M. die Welle, d. li. eineMenge Weiden von einem Meter Länge und 35—40 PfundGewicht; die wilden weissen, auch Rheinweiden genannt, mit1,60 Mk. Trotzdem er nun ausserdem eine Fuhre von 10 Mk.bezahlen muss, was bei einer vollen Ladung von 40 Wellenallerdings nur eine Wertherhöhung von 0,25 Mk. pr. Welle,bei der von ihm aber meist nur benöthigten Ladung von 15bis 18 Wellen eine solche von 0,50 — 0,65 Mk. ausmacht,kommt ihm der Bezug aus der Rheinebene doch noch billi-ger, als wenn er bei der Forstverwaltung von den am Ein-gang des Weilerthates gepflanzten Weiden kauft, da diesebei der Versteigerung zu Zwecken des Rebenbindens einenerheblich höheren Preis erzielen.